Lob der Hospitanz

Armin Petras nach Malcolm Lowry «Unter dem Vulkan»

Theater heute - Logo

Jetzt kommt das Mitmachtheater», fordert die Bühne. Applaus. «Und wer sind Sie?» «Ich bin Studentin der klassischen Archäologie in Gießen», sagt die junge Frau mit leiser Stimme aus dem Publikum. Applaus. Sie betritt die Bühne und weiß plötzlich ganz genau, wo alles ist: die Blockflöte, die OP-Masken, der Wischlappen. Sie ist blond, sie ist schüchtern. Sie könnte die Adoptivtochter der Schauspielerin sein. Weil die Schauspielerin das behauptet, glauben wir’s ihr. Denn das erklärt, warum sie sich so gut in der Requisite auskennt.

Dann, zum Schluss, küsst das liebe Mädchen zärtlich den Schauspieler, den alkoholkranken Geoffrey Firmin, den Konsul, das Alter Ego von Malcom Lowry, den Autor des bekannten Säuferromans «Unter dem Vulkan». Sehr wirklich. Gäbe es einen Preis für das glanzvollste Durchstehen peinlicher Exhibitionen von Laien auf der Bühne, geht er an diese Ungenannte, perfekt Echte im Theatersystem von Armin Petras.

«Unter dem Vulkan» im Kleinen Haus des Schauspiels Frankfurt soll ein schenkelklopfendes Mitklatschtheater für die ganze Familie werden, natürlich nicht für die Journalisten, die mit eingezogenen Köpfen zusammensitzen, sich an ihre Schreibblöckchen klammern und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2005
Rubrik: Chronik, Seite 34
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Mittelstand der Dinge

Wenn im Theater der Vorhang hochgeht, hat das normalerweise nichts zu bedeuten. Hier ist es ein Zeichen, das Hoffnung machen soll: «Es geht wieder aufwärts!» Sagt Regisseur Schorsch Kamerun, der als «Schuldenberg-Moderator» höchstpersönlich durch seine Inszenierung von Kathrin Rögglas neuem Theatertext «draußen tobt die dunkelziffer» im Wiener Volkstheater (eine...

Kunst, Klamauk, Kapitalismuskritik

Wer Globalisierung verstehen will, muss dicke Bücher lesen. Da hilft nix. Kein arte, kein Internet und auch keine Spiegel-Dossiers. Denn mit dem vermeintlichen Wissen über die Globalisierung verhält es sich ganz ähnlich wie mit dem weit verbreiteten Glauben, das neudeutsche Adolf-TV würde den Nationalsozialismus erklären. Nachkolorierte NS-Dokus mit dramatischer...

Hurra, jetzt ist der Oli tot!

Menschen rennen durch die Nacht. Erst waren nur ein paar Spaziergänger in Laufschritt gefallen, dann schwoll das Läufertrüppchen zum Rudel an. Jetzt dröhnt und knarrt der Bühnenboden unter den polternden Tritten der Turnschuhe und Badelatschen. Stumm wälzt sich die Herde, vielleicht auf der Flucht, vielleicht auf der Jagd, Runde um Runde über die «Ebene von...