Endlich am Anschlag
Auf dem Titel des zahlenstärksten Theaterbuchs der Saison prangt schon seit Jahren eine weiße Statisitikkurve vor rotem Grund, die steil nach oben weist. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass die Fotovorlage um 45 Grad gedreht ist und die Kurve an ihrem obersten Punkt eigentlich gerade abfällt. Was die gerade veröffentlichte «Theaterstatistik 2012/13» des Deutschen Bühnenvereins angeht, könnte sich diese dezent getrickste Grafik unfreiwillig als prophetisch erweisen.
Auf den ersten Blick hat sich nicht viel getan bei den Kennzahlen des Theaterbetriebs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie zählt 128 öffentliche Theater–unternehmen gegenüber 129 im Jahr davor – und auch diese Zahl ist schwer untertrieben angesichts zahlreicher darin nicht erfasster Privattheater wie der Berliner Schaubühne oder dem Berliner Ensemble, die ebenfalls überwiegend von öffentlichen Zuschüssen leben.
Die Veranstaltungen im Schauspiel sind ein bisschen weniger geworden (23.082 statt 23.301), das darin nicht enthaltene «theaternahe Rahmenprogramm» – Stichwort schwellensenkendes Vermittlungangebot zur Vor- und Nachbereitung – hat nochmal ein bisschen zugelegt (12.780 statt 12.041). Das ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Schneller reagieren geht nicht: Nur einen Tag nach Ende des «Phone hacking»-Gerichtsverfahrens, das Großbritannien acht Monate in Atem gehalten hatte, verkündete das National Theatre, es habe parallel zum Prozess ein neues Stück geprobt: Richard Beans «Great Britain», inszeniert vom scheidenden NT-Intendanten Nick Hytner, beschäftigt sich mit eben jenem explosiven...
Es ist ist wie mit Kindern, wenn sie spielen, dass sie gerade eine Prinzessin oder eine böse Hexe sind. Ernst ist es natürlich auch, schließlich musste man als Zuschauer ja das Handy abgeben und wurde wie am Flughafen kontrolliert. Die Strafgefangenen, die in den folgenden vierzig Minuten durch die Zuschauerreihen gehen, können auch Kontakt mit der Außenwelt...
Bei der Filmpremiere in Toronto, so war zu lesen, wurde gelacht, als ganz am Ende von «Phönix», Christian Petzolds riskantem Film über das, was nach Auschwitz war, die eintätowierte Häftlingsnummer auf Nellys Arm freiliegt: der Augenblick der Blamage, in der ihr Mann, der sie verriet, endlich erkennen muss, wer vor ihm steht. Eine angemessene Reaktion im...
