Erfolg ist, wenn es trotzdem läuft
Nichts fühlt sich blöder an in einem Kritikerleben, als wenn man gegen den Erfolg anschreibt. Dort entsetzt zu tun, wo viele andere entzückt sind. Quengeln, wenn die Quote stimmt. Man ist dann auf verlorenem Posten. Was soll man denn sagen, wenn einer in den ersten vier Monaten seiner Intendanz 23.000 Zuschauer mehr hatte als sein Vorgänger? Die Leute werden sagen: «Was habt ihr denn, jetzt habt ihr uns jahrelang gepredigt, dass man ins Theater gehen soll, und jetzt gehen wir endlich gerne, und dann ist es auch wieder nicht recht.
Vielleicht braucht ihr einfach alle eine Therapie!» Und der Erfolgsintendant sagt: «Ich hab doch gleich gesagt, dass ideologisch ausgerichtetes Theater total zuschauer-, weil genussfeindlich ist, und dass der gepflegte Hedonismus hochleben soll. Und siehe da: Er lebt hoch, und ich hab die Zahlen auf meiner Seite. Was kämpft ihr auch so verbohrt gegen Windmühlen? Ich lehne mich lieber zurück, betrachte meinen Erfolg und habe mich sehr, sehr, sehr lieb.»
Matthias Hartmann, der gemeinte Erfolgsintendant, der Über-Achiever, der ab 2009 in Wien gewiss zu dieser erfolgsgepolsterten Burgherren-Nonchalance, zu diesem Mörtel-Lugner-Tum der Theaterlandschaft ...
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Die große Peer-Gynt-Sause kurz vor den Sommerferien bot eine gute Gelegenheit, mal wieder über den gigantischen Schrebergarten namens Berliner Freie Szene nachzudenken. Ist er in seiner enormen Größe (250 bis 300 kontinuierlich produzierende Gruppen) und Vielfalt (von der robusten Nutzpflanze über die neugezüchtete Rose bis hin zum düngenden Mist) nicht längst...
Der Name klingt holprig und ist zudem schief. «Bühnenbild» – eines jener deutschen Doppelworte, das zwei Begriffe, die nicht so recht zusammenpassen, schamlos hintereinanderhängt in der Hoffnung, dass die dadurch erreichte Verwirrung ausreicht, von unangenehmen Nachfragen abzuhalten. Mit Bildern jedenfalls hat das, was auf den interessanteren deutschen Bühnen neben...
Bei «Margot und Hannelore» war es ein vertracktes Wechselspiel um verlorene Identitäten auf der wackligen Grundlage einer kaum bewältigten und moralisch schwer kontaminierten Historie; bei «Wir im Finale» wurde dann schon das letzte noch auffindbare Quäntchen Selbstbewusstsein durch kollektives «Tooor»-Gebrülle hochgepuscht, und auf der La-Ola-Welle schwappte eine...
