Christian Rakow: Die Kunst der Direktheit

Die Schauspielerin Katrin Wichmann, ein Porträt

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Es braucht einen ganz eigenen Humor, um derart entwaffnend zu sein. Da bewegt sich Katrin Wichmann als Witwe Jelena nun schon geraume Zeit in einem Haushalt von verzärtelten, in sich selbst versunkenen Kleinbürgern aus der Feder Maxim Gorkis (Regie: Jette Steckel). Bis mit einem Mal ein ganzer Schwall Verachtung aus ihr herausplatzt: «Was glauben eigentlich all diese Leute, wo sie hinkommen, wenn sie angekommen sind – bei SICH? Was sie finden bei SICH. Da ist absolut gar nichts. Oder es ist völlig uninteressant.

Vielleicht wäre es viel spannender, mal jemand anderes zu finden als sich selbst.»

Und der dauerdeprimierte Allesdenker Teterew alias Peter Jordan, dem in diesem Drama ansonsten die bissigen Sottisen vorbehalten sind, fühlt sich kurz gemeint und blickt durch seine Blueser-Sonnenbrille rüber: «Wissen Sie, normalerweise kann ich es überhaupt nicht ausstehen, wenn Frauen philosophieren. Aber wenn Sie das tun, könnte ich Ihnen die Hände küssen.» Eine Sekunde schwebt dieser Satz im Raum, ehe Wichmanns Jelena ihn wie im Vorbeigehen herunter pflückt: «Nur die Hände?»

So sind typische Wichmann-Momente, schnell, trocken. Im Sport würde man von einem taktischen Foul sprechen; es tut ...

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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Christian Rakow

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