Talkshowtheater
Wie stellen sich die Theater den Zumutungen der Tagesaktualität? In der Flüchtlingskrise wird die Infrastruktur der Stadttheater an vielen Orten genutzt, um politische Diskussionen zu organisieren. Das Schauspiel Köln wählt einen Mittelweg zwischen Kunst und Politik: Nach dem Debattenfeuilleton kommt das Debattentheater.
Ein Katarakt von rasenden Bildern mit religiösen Konnotationen stürmt zunächst auf die Zuschauer ein: Gott und Gewalt gehören in den Medien zusammen. Dann lange Stille. Das Ensemble sieht uns an. Mehr nicht.
Nachdenklichkeit gegen mediale Hysterisierung signalisiert der Beginn von Nuran David Calis’ «Glaubenskämpfer»-Projekt.
Groß ist die Unkenntnis, groß ist der Bedarf an Unterrichtung. Die Religionen kennen sich nicht gegenseitig, und die säkulare Gesellschaft kennt die Religionen nicht. Also braucht man Kundige. Aber keine Verkündigung, sondern Einblicke. Nicht wissenschaftliche Fachleute sind gefragt, sondern Laien, nicht objektivierte Analyse, sondern beobachtbare Authentizität – der jedem Fernsehzuschauer angenehm vertraute Voyeurismus, Menschen zuzusehen, die freiwillig ihre «private parts» entblößen.
Schauspieler fragen, Gläubige antworten
Das ist Calis’ ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Gerhard Preußer
Elfriede Jelineks Stück «Die Schutzbefohlenen» ist noch keine drei Jahre «alt». Was ist geschehen seither? Allein 2015 ertranken mehr als 3.000 Flüchtlinge im Mittelmeer; europäische Politiker verhandelten in endlosen Sitzungen über das Schicksal von fliehenden Menschen, als wären sie Stückgut, das es zu verfrachten oder zurückzuschicken gilt; und vor ein paar...
Peter Handke war und ist eine Zumutung für das Theater. Zuerst, in den frühen «Sprechstücken», trieb der Autor es systematisch an seine formalen Grenzen. Seit «Über die Dörfer» (1981) schreibt er dramatische Gedichte, in denen es zwar vergleichsweise konventionelle Dialoge und Figuren gibt, die auf ihre Art aber ähnlich weit weg vom Drama sind wie Elfriede...
Er ist einer der linken Helden unserer Tage: Whistleblower Edward Snowden, der inzwischen incognito in Russland lebt. Auf den Stickern zur Theaterversion des Films «23» ist der Schauspieler Philippe Goos zwar in einer Pose zu sehen, die unverkennbar an den prominenten Geheimnisverräter erinnert. Es ist jedoch das große Verdienst von Regisseur Christopher Rüping,...
