Das Ensemble, mein*e Lieblingskünstler*in
Als ich für mein Studium von Salzburg Land nach Hamburg zog, hatte mein Kulturschock Ausmaße einer schwindelerregenden Identitätskrise, die mich in eine depressive Dauerverwirrung stürzte. Den einen kulturellen Unterschied, den das 18-jährige Bauernmädchen, das ich war, aber sehr klar sehen und sofort freudig wertschätzen konnte, war die Qualität der Fußballkommentatoren im deutschen Fernsehen.
Die waren anders als die ORF-Kommentatoren, die sich im uninspirierten Namen-Aufzählen aller Spieler, die gerade den Ball berührten, verloren, oder sich vorschnell in wertenden Plattitüden versteckten. Die klangen nicht wie das säuselnde Dauernörgeln vom österreichischen Superexperten Schneckerl Prohaska. Der Fußballexperte im Studio, der mich besonders faszinierte, war Jürgen Klopp. Er beschrieb Spieler auf eine so eigene, tiefgehende, kluge, auch wertschätzende Art. Er machte mich auf die Arbeit von Spielern aufmerksam, die gerade gar nicht am Ball waren, beschrieb Spielzüge, die ich erst durch ihn erkennen konnte, benannte Qualitäten von Spielern, die mir davor nie bewusst waren, und machte mir Zusammenhänge sichtbar. Er verstand, was auf dem Feld los war und konnte es beschreiben.
Verz ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 8
von Julia Riedler
Das Ehepaar Vero und Uwe S. ist in die Wüste gefahren. Vero möchte dort Urlaub machen, Uwe will schwarze Löcher im Weltraum erforschen. Wäre in Europa die Lichtverschmutzung nicht so hoch, hätte er am Heimathimmel forschen können. Sie hätten Bonn erst gar nicht verlassen müssen, die Ehe daheim retten können.
Was zunächst nach einem privaten Beziehungsdrama klingt,...
And this is where the script ends ...» bekennt Orit Nahmias, das Bühnen-Alter-Ego von Yael Ronen, in deren letztem Stück «Yes but No» etwa nach der Hälfte der Aufführung. Das Publikum hat bis zu diesem Zeitpunkt eine hochaktuelle Auseinandersetzung mit dem Sprechen über Sex, Macht und Missbrauch im Verhältnis der Geschlechter nach #MeToo erlebt. Es hat Ausbrüche...
vorwort zu den podesten
1. eigentlich traue ich mich nicht, über jemanden zu schreiben, der noch lebt, und schon gar nicht über jemanden, den ich persönlich kenne. 2. es ist so einfach, einen mann auf ein podest zu stellen, schließlich erinnert er uns ja immer an etwas oder jemanden – an all die vielen anderen männer auf podesten davor. und wenn mir etwas bekannt...
