Miteinander reden und zuhören
Sowohl die lebenden als auch die toten Figuren dieses Stückes sind frei erfunden.» So der Hinweis des Autors. Und doch verweist das neueste Stück von Owen McCafferty auf konkrete gesellschaftspolitische Ereignisse seiner Heimatstadt Belfast. Geschickt verknüpft der Autor in seinem Drama «Quietly», das der erfahrene Übersetzer Michael Raab mit «In aller Ruhe» ins Deutsche übersetzt, unterschiedliche Zeit- und Erzählebenen. Fiktion streift hier unmittelbar Realität, oder anders ausgedrückt, Spiel verarbeitet Lebenserfahrungen.
Es beginnt im Frühjahr 2009 in einer Bar in Belfast zur Zeit des Fußball-WM-Qualifikationsspiels Nordirland gegen Polen. Der junge polnische Einwanderer Robert, der mehr schlecht als recht sein Geld als Barkeeper verdient, erhält eine SMS: «So kann ich nicht leben.» Wie sich später herausstellen wird, ist es seine Frau, die allein – wie so viele Frauen – mit einem Baby auf ihren Mann wartet. Dann betritt der eher wortkarge Jimmy die Bar. Er ist seit Jahrzehnten Stammgast in diesem Pub, hat Belfast nie verlassen, trinkt seine Pints und schaut mehr nebenbei auf das WM-Spiel im Fernseher. Was ihn wirklich interessiert, ist eine Verabredung. Er erwartet Ian, einen ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 191
von Horst Busch
Die ukrainische Revolution und die russische Annektion der Krim haben erneut die Frage nach den Grenzen und Werten Europas gestellt.
Der Essayist und Schriftsteller Stephan Wackwitz, der seit 2011 das Goethe-Institut
in der georgischen Hauptstadt Tiflis leitet, erkundet sein Kiewer «Europagefühl» und erforscht politische Phantasmagorien des Ostens wie des Westens.
Ich stelle mir ein Theater vor, das mit 500 Menschen in einem Original-Gerichtssaal spielt. Ich stelle mir ein Publikum vor, das als Fahrrad fahrende Horde das Leben in einem Park neu choreografiert. Regisseure, die in den Laboratorien der technischen Universität mit Forschern Holografieperformances entwickeln. Ein Ensemble aus wechselnden Stadtbewohnern, das in...
Die einzige Kirche, die erleuchtet ist, ist eine, die brennt.»
Dieses Stück ist eine Zumutung. Es beginnt mit einer elend langen Hasstirade, dem Monolog einer alternden Frau, bestehend aus anklagenden Hauptsätzen voller Obszönitäten. Es steigert sich zu einer Aufzählung von Psychopharmaka, die in alphabetischer Reihenfolge ausgespuckt werden. Ein präpubertärer...
