Spiraldramaturgien
An zwei Stellen unterbricht plötzlich ein Formular der Armee den Text. Beim ersten Mal ist es ein Dokument der Gegenstände (Bett, kugelsichere Weste, Feldgeschirr etc.), die einer Soldatin zur Einberufung ausgehändigt werden. Beim zweiten Mal der Untersuchungsbericht eines Militärgerichts: Bei einer nächtlichen Überfallsübung hat eine Soldatin sich unzulässigerweise mehr als drei Meter von ihrer ordnungsgemäß unter der Matratze gelagerten Waffe entfernt und ist im Pyjama durchs Lager geirrt.
Beide Male schummeln sich Sätze aufs offizielle Papier, die eigentlich nicht hierher gehören: die Erinnerung an Papas Luftgitarrenkünste bei Dire Straits «Money for nothing» sowie der Satz: «Oder: Die einzige Form, mit der ich mich identifiziere (…) ist eine Spirale.»
Tatsächlich bohrt sich die israelische Dramatikerin Sivan Ben Yishai in «Oder: Du verdienst deinen Krieg (Eight Soldiers Moonsick)» geradezu spiralförmig in ihr Thema, den Wehrdienst für Frauen in Israel. Verblüffend poetisch und körpernah ist dieser Text über die brutale Initiation junger Frauen im Land mit dem größten Pro-Kopf-Militäretat der Welt, in dem sie zwei (Männer drei) Jahre Wehrdienst leisten müssen und ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 25
von Eva Behrendt
Ist Yael Ronen plötzlich esoterisch geworden? Schon öfters hat sich die israelische Regisseurin mit dem beißenden Humor jetzt als Schamanin bezeichnet, und wer ihr auf der Straße in Kreuzberg begegnet, sieht sie mit allerlei Klunkern und Ketten behängt. Und jetzt auch noch im Theater: «Rewitching Europe», die Wiederverhexung Europas, nennt sie ihre neueste...
Auch das postdramatische Theater ist inzwischen in die Jahre gekommen. Mit einer Tagung in der Berliner Akademie der Künste und einem Festival im Kreuzberger Hebbel am Ufer feierte das gleichnamige Buch von Hans-Thies Lehmann soeben seinen 20. Geburtstag. Und weil entsprechende Kulturtechniken im Alter ja erbarmungslos zuschlagen, wurde es bei dieser Gelegenheit...
Theater heute Wenn man die biografischen Texte in «Die Abschaffung der Familie» liest, könnte man denken, die Republik Moldau ist nur einen kleinen Schritt vor der Hölle: extrem verarmt, brutal patriarchalisch und ohne funktionierenden Rechtsstaat.
Nicoleta Esinencu Ganz und gar nicht. Ich sehe dasselbe hier. Wir leben doch alle in patriarchalischen...
