Zwergfell massiert
Schade, dass es an diesem Premierenabend keine Liveschaltung in Frank Castorfs Gedanken gab. Zu gerne hätte man gewusst, ob der Intendant seinem ehemaligen Schauspieler Herbert Fritsch den Erfolg gönnt und seinem Haus endlich mal wieder ein enthusiastisch gestimmtes Publikum, ob er im Angesicht der Klamotte in ihrer reinsten Form erstarrte oder sich gar selber vor Lachen schüttelte.
Zum Wiedereinstieg nach dem Ausstieg vor gut drei Jahren hat der Hausherr dem Heimkehrer, der sich in der Zwischenzeit rasant vom Provinztingler zum Theatertreffenregisseur empor inszeniert hatte, jedenfalls nicht gerade den roten Teppich ausgerollt und ihn kurz vor Spielzeitende eben noch so ins Programm gequetscht.
Den Teppich hat Fritsch sich dann einfach selbst ausgerollt. Ein überdimensionaler Läufer aus persisch beplottetem Kunststoff wallt von der Hinterbühne in Richtung Publikum. Darunter ist ein klangverstärktes Trampolin platziert, das die Schauspieler bei Bedarf in hohem Bogen an die Rampe katapultiert oder auch nur gegen die nächsthöhere Falte wirft. Natürlich dient das gute Stück auch als astreine Metapher: Der Teppich, unter den die Dinge gekehrt werden, ist schließlich das Requisit des ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Chronik, Seite 72
von Eva Behrendt
Die freie Theaterszene hat kein Geld, aber bei ihrem größten Festival, den «Impulsen», kann man es sich richtig gut gehen lassen. Erdbeerbowle zur Eröffnung, Pakora und Papadam beim Inder um die Ecke mit God’s Entertainment, Wurstjause bei den Rabtaldirndln, Pangasius auf Spinat beim Bus-Marathon zu Stücken in Köln, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr – drei der...
Als wir im Sommer 1968 in unserem vollbepackten Citroën ID 19 über die Autobahn von Frankfurt nach Heidelberg fuhren, war ein stiller Jubel in Elisabeth und mir. «Jetzt fahren wir endlich zu uns», sagte Elisabeth lächelnd. Das Kind lag schlafend auf dem Rücksitz des Wagens, den wir für vierhundert Mark erstanden hatten, weswegen es auch eine seiner letzten Fahrten...
Ein Hauch von Melancholie lag über diesen Wiener Festwochen. Kurz vor Beginn des Festivals hatte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die neuen Intendanten vorgestellt (siehe TH 6/11), und obwohl Markus Hinterhäuser und Shermin Langhoff erst 2014 für das Programm verantwortlich sein werden, war der aktuelle Jahrgang damit zum ersten Akt eines langen Abschieds...
