Unter tausend Sonnen frieren

Anja Hilling «Sterne»

Theater heute - Logo

Zwei Paare, vier Sterne, ein Apfelbaum. Jana geht mit Kalle; Susann geht mit Anton. Die Sterne sind vermeintliche Designerdrogen und ange­schafft, damit man in dieser Nacht mal «was spürt». Der Apfelbaum weist Rich­tung Sternenhimmel. Susann sagt: «Die Sterne. / Mit der ganzen Zeit, die sie haben. / Hängen da oben rum. / Wie Kinder ohne Zukunft.» Die Vier warten auf den psychedelischen Kick, sie tändeln ein wenig,
Anton probiert, Susann zu vergewaltigen. Am Ende des Abends erklettert Susann den Apfelbaum und stürzt (sich) hinunter.
Dann kreist das Figurenkarussell.

Jana verlässt Kalle, obwohl sie ein Kind von ihm erwartet, und zieht zu Anton. Später geht sie zurück. Da will Kalle aber schon nichts mehr von ihr wissen – trotz abgesagter Abtreibung. Kalle steigt stattdessen in den Apfelbaum, nach «ganz oben», auch er. So sind die Kinder ohne Zukunft: Sie haben nicht die ganze Zeit, sondern jeder eine andere – für sich, für seine Liebe und seine Trauer. Immer spürt es der eine noch nicht oder schon nicht mehr, während es beim anderen gerade stimmt. Nicht von ungefähr strauchelt Kalle eingangs an einem Haiku-Vers. Der gemeinsame Rhythmus ist das Problem.
Für diesen wendungsreichen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2006
Rubrik: Chronik, Seite 38
von Christian Rakow

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Ruhe nach dem Sturm

In seinem 1932 erschienenen Roman «Von drei Millionen drei» lässt Leonhard Frank («Links wo das Herz ist»), der «Gentleman» (Fritz Kortner) der deutschsprachigen Exil-Literatur, ein durch Hoffnungslosigkeit zusammengeschweißtes Freundes-Trio die Heimatstadt Würzburg und später das Land, in dem man «sicher nur zugrunde gehen kann», verlassen. Sie fliehen vor Armut...

Kostümiertes Frankreich

Die Ausgangslage war brillant: «Der Streit» von Marivaux, eine alte Kiste, aber so aktuell, als hätte sie Houel­lebecq selbst in den Arc de Triomphe gemeißelt. Eine Geschichte über Menschenexperimente, emotionale Klonversuche, Rückverwilderungsgeschich­ten, am Fließband reproduzierte Sündenfallszenarien. Pop, Politik, Science Fiction so weit man sehen kann. Ein...

Stolz und Vorurteil

Was läuft, wenn was läuft? Was geht, wenn was geht? Und wie weit geht es? Cem hat mit 30 Messerstichen Elena abgestochen und versucht, ihre Freundin Ulli als Zeugin ebenfalls zu töten. Die hat schwer verletzt überlebt und gibt nun ihre Schockerfahrungen zu Protokoll. Es ist eine von mehreren Sichtweisen auf eine Tat und deren Vorgeschichte. Eine weitere steu­ert...