Tschechow, Beckett, Haidle
Kurz vor unserem Treffen schickt Noah Haidle noch eine erkennungsdienstliche SMS: «Ich sitze draußen und versuche, möglichst unamerikanisch auszusehen.» Der sachdienliche Hinweis macht es tatsächlich unmöglich, am Treffpunkt etwa auf den falschen Hipster-Bart-Träger zuzusteuern: So viele begnadete Selbstironiker tummeln sich nicht im «Wohnzimmer» am Prenzlauer Berg. Haidle – Mitte dreißig, Lederjacke, lokaluntypisch interessierter Blick – war schon etwas früher da und hat sich vom Ambiente umgehend zu einer Filmszene inspirieren lassen.
Dass demnächst tatsächlich Kevin Spacey oder George Clooney in den Universal Studios an einem Fake-«Wohnzimmer»-Tresen stehen und koffeinfreien Soja-Latte bestellen, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Hat schließlich schon einmal funktioniert: Noah Haidles Gangsterkomödie «Stand Up Guys» wurde vor drei Jahren in Hollywood mit Al Pacino verfilmt.
Bis dahin kann man den dialektischen Witz des hauptberuflichen Dramatikers am Schauspiel Hannover genießen. Dort hat Anna Bergmann gerade Haidles jüngste Familienaufstellung «The Homemaker – Alles muss glänzen» ur-inszeniert, in der sich neben Haushaltsmessermorden und Doppellauf-Gewehr-Suiziden vor ...
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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Neue Stücke, Seite 25
von Christine Wahl
Aalen, Theater der Stadt
2. Schiller, Der Parasit
R. Robert Teufel (Freilichttheater)
18. nach Saint-Exupéry, Der kleine Prinz
R. Ann-Kristin Ebert
23. nach Teller, Nichts
R. Julius Ferstl
Berlin, Komödie
19. Heinersdorff, Der Kurschattenmann
R. Horst Johanning
Bremen, Shakespeare Company
19. Mak/Goos, Fully Female
R. Sabina J. Mak/Annika Goos
Coburg, Landestheater
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Zugelassen zum Wettbewerb für den Autorenpreis waren sechs noch nicht uraufgeführte Texte. Dass die Jury am Ende feststellen konnte, die Qualität sei dieses Jahr außergewöhnlich hoch gewesen, hatte sicherlich damit zu tun, dass es auf dem Markt der neuen Stücke starke und schwache Jahrgänge gibt. Die Gründe für die lobende Erwähnung sind aber vielfältig. Zum einen...
«Ab jetzt bestimmt die Fiktion die Wirklichkeit!» Der Mann mit der Pelzkappe reißt das Fenster zur Straße auf. Eine frische Brise, Autolärm und Vogelzwitschern dringen in den stickigen Theaterraum hinein, und er brüllt hinaus: «Wir lassen uns von Gott nicht mehr umbringen!» Mit Revolvern hatte der Bärtige, der Anarchist Michail Bakunin, zuvor in den Theaterhimmel...
