Gestalten mit gesenktem Kopf
Mit der Bildenden Kunst verhält es sich nicht anders als mit dem Theater. Im entscheidenden Augenblick ist auch sie davon abhängig, wann und wo sie gezeigt wird. Auch ihr Erfolg hängt wesentlich vom Kontext ab. Das gilt für einzelne Arbeiten oder Installationen ebenso wie für eine monografische Werkschau, wie sie jetzt in Halle an der Saale gezeigt wird: «Einar Schleef. Der Maler».
Um es vorwegzunehmen: Was einen in Halle erwartet, verblüfft und erfreut in jeder Hinsicht – von den gezeigten Arbeiten des bis jetzt nur wenigen als Bildender Künstler bekannten Literaten, Theatermanns, Darstellers, Bühnenbildners und Regisseurs bis hin zur Art und Weise ihrer Präsentation auf hohem Niveau. Das fängt mit ihrer Präsenz in der Universitätsstadt an, noch bevor man in der Ausstellung angelangt ist. Bereits in den Bahnhofspassagen und bis ins Zentrum hinein wirbt man mit Plakaten, die mit provokanten Sprüchen Schleefs, jedoch nicht mit Bildern locken: «Was macht die Gegend aus uns, dass wir eigenartige Leute sind.»
Man spürt, da soll einer heimgeholt werden: Einar Schleef, 1944 im nahen Sangerhausen
geboren und aufgewachsen, ging bereits 1963 zum Kunststudium nach Berlin, 1976 verließ er den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«In der Sonne Italiens werde ich die theoretische Unannehmbarkeit der Existenz vielleicht vergessen.» Mit existenzialistischer Emphase verlässt der Abiturient Gert seine kriegsverwitwete Mutter im Trümmerdeutschland anno 1948. Ins Schlepptau nimmt er seinen Gesinnungs-kameraden und Nietzsche-Leser Foss sowie zwei ebenso dekorative wie selbstfindungsförderliche...
Juchzen ist verräterisch. So ein Urlaut aus tiefster Kehle enttarnt den bravsten Jüngling als Seelenverwandten brünftiger Rothirsche. Urs Peter zum Beispiel, ein blonder Mittdreißiger, hätte sich ebenso gut den Sommeranzug vom fülligen Wohlstandsleib reißen und den Fellschurz entblößen können. Aber nein, er steht starr an der Rampe und juchzt. Das passt zum Sujet...
Michael MerschmeierHerr Trittin, Sie gehen gern und häufig ins Theater – nicht gerade
üblich für einen Politiker.
Jürgen TrittinDas resultiert aus einer biografischen Vorschädigung. Ich hab beim Schultheater mitgespielt – zum Beispiel den Kai in «Kai aus der Kiste», Branco in «Die rote Zora» oder im «Gespenst von Canterville». Das hat mir großen Spaß gemacht....
