Zauberei und Zerfall
Manchmal ist die Verteidigung schlimmer als die Gefahr, gegen die man sich verteidigt. In Boris Vians absurder Komödie «Die Reichsgründer» flüchtet eine Familie in einem Wohnhaus jedes Mal, wenn ein lautes, unerklärliches, bedrohliches Geräusch ertönt, einen Stock höher in immer kleinere Wohnungen, der eigene Lebens- und Freiheitsraum wird immer weiter beschnitten. Dass sich die Lage so stets verschlimmert, wird geleugnet oder schöngeredet.
Vians Stück von 1957 hat mit den besseren Stücken des absurden Theaters gemeinsam, dass es alle Züge einer Parabel aufweist, ohne eindeutig entschlüsselbar zu sein. Seine vieldeutigste Figur ist das «Schmürz», eine Art Prügelknabe, den die Familienmitglieder zwischendurch ohne erkennbaren Grund misshandeln. Am Ende, nachdem alle verschollen sind und auch der Familienvater aus dem Fenster gestürzt ist, füllt sich, so in der originalen Regieanweisung, die Bühne mit Schmürzen. Eine Satire auf das wirklichkeitsblinde, arrogante Bürgertum, eine Warnung für den von Terroristenangst geplagten Überwachungsstaat?
Christiane Pohles Inszenierung thematisiert, wie heute jede einigermaßen gewitzte Theaterproduktion, das Verhältnis von Wirklichkeit und ...
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Die Vernunft hat einen schönen Klang, jedenfalls bei Goethe. Jahrelang hat er Euripides’ Tragödie sprachlich humanisiert, bis der idealistische Wohllaut im vollendeten Seelenakkord schwingt. Im März 1779, vier Wochen bevor er die erste (Prosa-)Fassung seiner «Iphigenie» fertigstellte, hatte Goethe an Charlotte von Stein aus dem nahegelegenen Apolda geschrieben,...
Die einen sind verheiratet, die anderen sind neue Freunde. Die einen wohnen in Tübingen und leiten ein Theater, die anderen wohnen in Tübingen und leiten ein Theater. Das eine Theater ist groß, besteht seit 1945, hat seit dreißig Jahren ein eigenes Haus, muss aber trotzdem im Land herumreisen. Und ist eine Reise wert: Das majestätisch benannte Landestheater...
