Diesseits der Leinwand
Das Heidelberger Schauspiel hat sich in der Zeit des Theaterneubaus darauf verlegt, in
einer der Ausweichspielstätten Hollywood-Klassiker zu reanimieren. Scheint naheliegend zu sein, immerhin ist die Spielstätte ein ehemaliges Kino. Im Fall von «Wer hat Angst vor
Virginia Woolf?» und «Endstation Sehnsucht» war das ein Schlag ins Wasser, weil es die Filme bereits als Theaterstück gibt und man sich auf der Bühne mit dem Nachempfinden von Leinwandposen und -haltungen à la Hollywood begnügte.
Dass jetzt, da das Theater die Spielzeit mit John Steinbecks Kain-und-Abel-Geschichte eröffnet hat, ein Theaterabend diesseits der Leinwand daraus werden konnte, hat mit der fehlenden Bühnenadaption und damit zu tun, dass Nina Steinhilber und Sarantos Zervoulakos zuerst einmal eine Spielfassung erstellen mussten.
Dabei gehen die Dramaturgin und der Regisseur einen Schritt weiter als Paul Osborn, der das Drehbuch zu Elia Kazans Verfilmung schrieb. Ging es damals nur um die Speckseite der Geschichte aus dem kalifornischen Salinas-Tal, also um den Farmer Adam, der einen seiner beiden Zwillingssöhne bevorzugt und den anderen so kränkt, dass Unheil unausweichlich ist, holen Steinhilber/Zervoulakos ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Jürgen Berger
Fast liegt es auf der Hand, die Gelenkigkeit, die Grazie der Lessingschen Verse einmal
direkt ins Körperliche, ins Tänzerische zu übersetzen: «Nathan» nicht nur als rhetorisches, sondern als buchstäbliches Ballett (mit Worten) aufzufassen. Das Stück zeichnet sich entgegen seinem Ruf nicht allein durch trockene Vernunft, sondern vor allem durch eine eminente...
Fernsehen
Samstag, 1.
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften:
Staatstheater Braunschweig – ein Film
von Dag Freyer
Sonntag, 2.
14.00, arte: Lust auf Theater: Grimms Märchen –Das Mädchen ohne Hände, Regie Olivier Py. Aufzeichnung aus dem Centre Dramatique National in Orléans (2006)
21.00, arte: Die Bartholomäusnacht –
französischer Spielfilm (1994) von Patrice Chéreau,...
«Annika oder Wir sind nichts» heißt ein neues Stück aus den «topographischen, städtebaulichen und seelischen Provinzen», das am Deutschen Theater uraufgeführt wird. Und da es vom naturwissenschaftlich versierten Pop-Literaten Dietmar Dath stammt, darf man sich vermutlich mit Kevin Rittberger auf ein paar diskursive Anstrengungen gefasst machen, die man an der...
