Würde der Frauen
Das Verhängnis drängt schwer von der Decke. Zehn massive Baumstümpfe hängen an eisernen Ketten aus dem Schnürboden und schweben knapp über dem Boden. Ob Hackstöcke oder erdrückende Stempel – an soviel geballter Symbolkraft kann man sich mehr als nur die Finger verklemmen. Bühnenbildner Florian Etti hat das Schweizer Emmental zwischen die sonst leeren Hubpodien des Kleinen Hauses verlegt; die hydraulische Kunstlandschaft verändert sich szenengenau und maschinenpräzise: Naturgewalt mit modernster Steuertechnik.
So zivilisiert und ökonomisch hat Regisseur Burkard C.
Kosminski auch das Spiel der Darsteller arrangiert. Einsamkeitsschwanger im Raum verteilt wird das Bergvolk in kargen Ausdruck geschnitzt. Edgar M. Böhlke leiht Vater Jakob gebeugte Haltung von lebenslanger Bauernfron und erledigt aufkommende Autoritätsprobleme mit Donnerstimme und blitzenden Blicken unter buschigem Augenbrauengestrüpp. Pfarrer Hofmann säuselt von Amts wegen gekonnt im Predigerton, aber der Mann kann auch anders. Dann drehschraubt Rüdiger Hacker den verspannten Körper eines unterm Moralmantel begrabenen Pädophilen in die Pirouetten der Begehrlichkeit. Florian, der dritte Mann im Stück und Hannas Hoffnung ...
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Überall hin verfolgte einen dieser Dackel in Bochum. Zwischen der Maschinenhalle «Friedlicher Nachbar» und dem Museum, zwischen der Zeche 1 und den Kammerspielen, zwischen dem Bunker «Bastion» und dem Prinz Regent Theater: Der kleine braune Kurzhaardackel war schon da, reckte einem seinen Bauch entgegen und ließ sich sanft kraulen – ein idyllisches Bild. Ein...
Warum hassen wir die Juden?»
Der junge, schlaksige Mann mit dem rasierten Kopf und dem grauen Anzug schaut prüfend seinem Publikum ins Auge. Die Pause ist gut gesetzt. Didaktisch wohltemperiert und im absurden Zirkelschluss führt er aus: Nicht weil die Juden die Banken kontrollieren und den besten Sex haben, hassen wir sie, sondern «weil es ein kulturelles Axiom...
Castorf forever
Der Vertrag von Frank Castorf als Intendant der Berliner Volksbühne wird bis 2010 verlängert. Die Entscheidung des Berliner Noch-Kultursenators Thomas Flierl sei bereits 2005 getroffen worden, hieß es. Offenbar hatte man bisher keine Zeit für die anstrengende Unterschriften-Zeremonie im Sternfoyer des Hauses, so dass man bis zur vorletzten...
