Die Revolution ist kein Gelage
Man hat in Ivo van Hoves Molière-Inszenierung verdächtig viel Zeit, sich über die Requisite Gedanken zu machen. Zum Beispiel über das Party-Buffet, das die schicke Clique des It-Girls Célimène an einem Freitagabend auf ihrem Wohnzimmertisch auspackt.
Ist es plausibel, dass diese gut gekleideten Yuppies, die ständig auf teuren Mobiltelefonen und Handrechnern online sind, sich mit Junkfood von Lidl zufrieden geben? Wäre nicht ein ordentlich selbstgekochtes Menü in dieser mit Realismus-Zeichen nicht knausernden Inzenierung realistischer? Oder wenigstens ein Einkauf im Biosupermarkt? Und wieso sind die vier Müllbeutel, die Célimènes eifersüchtiger Verehrer Alceste nach seinem wütenden Ausbruch auf die echte Straße vor der Berliner Schaubühne direkt aus der nächsten Tonne auf die Bühne zerrt, anscheinend identisch und nicht ohne Sorgfalt gepackt? Weil wirkliche Scherben, tote Tiere oder Babywindeln eine Zufallsgefahrenquelle wären, in der Schauspieler sich lieber nicht wälzen sollten?
Die reifere Jugend von heute
Zunächst unternimmt der belgische Regisseur Ivo van Hove ja nichts Anrüchiges, wenn er Molières Komödienklassiker behandelt, als wärs ein Stück über uns und heute. ...
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