München: Game over
Reduktion von Komplexität ist – wie der unvergessene Niklas Luhmann nicht müde wurde zu betonen – ein Überlebensmodus unserer Zeit mit der inhärenten Gefahr, durch unzulässige Vereinfachungen Kurzschlüsse zu produzieren.
Auch ein Skizzenformat wie der Marstallplan, in dem das Residenztheater seit ein paar Jahren kurz geprobte, aber anspruchsvoll kuratierte Produktionen an den Start bringt, birgt ebenso Chancen wie Risiken: die Möglichkeit vor allem für junge Regisseure und Autorinnen, sichtbar zu werden und mit einem hochkarätigen Ensemble arbeiten zu können, aber auch die Gefahr, aufgrund von Zeitknappheit schon mal mit unausgereiften Ergebnissen antreten zu müssen. Diesmal werden die sechs Marstallplan-Produktionen zudem nicht gebündelt zum Ende der Spielzeit präsentiert, sondern an drei Wochenenden über die Saison verteilt, was die Option weiterer Aufführungen im Repertoire eröffnet, den Erfolgsdruck allerdings auch noch mal erhöht.
Den Anfang macht ein doppelter UK-Import: Der britische (Opern-)Regisseur Sam Brown inszeniert «Victory Condition» von Chris Thorpe, angesagter Autor und Performer aus Manchester, der, spätestens seit er 2014 von Simon Stephens zum Stückemarkt des ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen
«Wir haben einander 2002 kennengelernt, und als sich 2003 in der Redaktion von ‹Theater der Zeit› ein Vakuum auftat, sprangen wir rein und bildeten, zuerst mit Anja Dürrschmidt, später mit Wolfgang Behrens, für vier Jahre die Redaktion (Nikolaus Merck als guter Geist und inspirierender Gesprächspartner begleitete unser Tun). Kein anderer Kollege hat mich so viel...
Was wissen wir von dem, was wir erfinden? Was wissen wir über Alexa und Siri, über Sex-Bots und Reborn-Babies, über Pygmalions Venus und Frankensteins Monster? Woher wissen wir, dass sie, mit denen wir so viele Affekte und Wünsche verbinden, denen wir uns so zeitintensiv und zugewandt widmen, selbst keine Gefühle haben, kein Bewusstsein? In seiner Uraufführung...
In einem Interview vor der Premiere seiner Adaption von Geschichten aus Clemens Meyers Erzählungsband «Die stillen Trabanten» in den Kammerspielen des Berliner Deutschen Theaters hat Regisseur Armin Petras gesagt: «Ich hasse diese Wikipedia-Autoren, die sich ihre Stücke zusammenrecherchieren. Bei Clemens weißt du, dass das stimmt. Man merkt es an Details.» Und dann...
