Durch die Wüste

Sylvana Krappatsch wünscht sich angstfreies Fragen, Denken, Spielen

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Was die Sehnsucht, Theater zu spielen, nährt? Mit welcher Verheißung das Theater verführt – was das ganze «Theater» soll, was es können sollte? Das zu beschreiben, braucht es eine Geschichte, die Geschichte von den blauen Tüchern.

Vor vielen Jahren, mit einem Freund auf einer Fahrt durch die marokkanische Wüste, stand winkend ein alter Mann am Ausgang einer Siedlung und bedeutete uns, anzuhalten. Neben ihm ein Junge; er sprach etwas Französisch, der Alte nur Arabisch. Wir begriffen bald, dass wir den Jungen in eine einige Kilometer entfernte Oase mitnehmen sollten.

Er sei der Sohn des Oasenhäuptlings, wir würden dort auf Nomaden mit ihren Kamelen treffen, hätten die Chance auf eine seltene Begegnung … Ich war überzeugt, dass nichts davon stimmen könne, und versuchte, meinen Freund von der Fahrt abzuhalten. Er jedoch glaubte den beiden – und so fuhren wir mit dem fremden Kind auf dem Rücksitz durch die marokkanische Wüste. Ich war mir sicher, dass wir spätestens nach dem nächsten Hügel einen Hinterhalt zu erwarten hatten: Wenn nicht Kopf ab, dann doch wenigstens Auto weg; ich sah uns nackt durch die Wüste kriechen, ohne Wasser, ohne Brot … Doch es gab diese Oase; alles, was die ...

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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 132
von Sylvana Krappatsch

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