Wien 2: Antike Statuen
Einmal stolpert sie fast, bei ihrem Gang an die Bühnenrampe. Da vorne wird sie die folgenden eineinhalb Stunden ausharren, aufrecht, gespannt wie eine Feder. Erst wenn ihr der Bote die schlechten Nachrichten überbringen wird, verfällt sie. Das Drama dieses Abends spielt sich im Gesicht und Körper der Christiane von Poelnitz ab.
Sie spielt Agossa, die Mutter des Perserkönigs Xerxes, der seine ungeheure Streitmacht in den Krieg gegen Athen geführt hat. Eine Königin mit goldener Schleppe, Gesicht und Haare mit Gold beschmiert.
So verkrustet wie sie sind, könnte man glauben, dass es sich um Schlamm handelt. «Wo, um Himmels Willen, liegt dieses Athen?» fragt sie, und erntet dafür einige der wenigen Lacher an diesem Abend. In ihrem Gesicht zuckt und fackelt es, ein Wetterleuchten wie vor einem ungeheuren Gewitter, das bald näher zieht.
Dabei ist der Sturm, der die Perserflotte hinweggefegt hat, bereits vorbei. Der Grieche Aischylos erzählt in seinem Drama von einem zeitgeschichtlichen Ereignis, das acht Jahre zuvor den Untergang der Perser und den Aufstieg der Hellenen besiegelte. In der Schlacht von Salamis (480 v. Chr.) wurde die zehn- oder vielleicht auch hunderttausende Mann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2017
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Stephan Hilpold
Franz Wille: Herr Vornam, Sie haben die Einstiegsgage für künstlerisch Beschäftigte von der Mindestgage, die der Tarifvertrag vorsieht – 1850 Euro im Monat – auf deutlich erfreulichere 2300 Euro angehoben. Normalerweise sind Intendanten bei Gagenverhandlungen eher knausrig, woher diese Großzügigkeit?
Axel Vornam Ich habe noch nie die absolute Mindestgage bezahlt,...
Mai 1945. Mit der Kapitulation Hitlerdeutschlands ist auch für den faschistischen kroatischen Ustascha-Staat der Krieg verloren. Um der Rache der Tito-Partisanen zu entgehen, flüchten die kroatischen Soldaten, begleitet von ihren Familien und anderen Zivilisten, nach Norden, bis über die slowenisch-österreichische Grenze, wo sie sich den britischen Besatzern...
Zwei Stücke hat Philipp Löhle bereits geschrieben, in denen er uns die normative Sozialisation eines Sohnes und einer Tochter vor Augen führte. In «Du (Normen)» und «Du (Norma)» war man Zeuge artspezifischer Lebensläufe und bis zur Kenntlichkeit entstellter Familienstrukturen. Um Familie geht es auch jetzt. Wir sehen: einen Vater, eine Mutter, den Sohn, die...
