Tränen aus dem Stand
Man sagt dem Regisseur Jürgen Gosch eine Schwäche für Süßigkeiten nach. Wer die besten Konditoreien in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Hannover oder Zürich wissen will, der frage den 62-jährigen Regisseur auf Endlostournee. So raunt man in Zügen und Hinterzimmern. Irgendeine Droge muss der unermüdliche Mann ja haben, warum nicht den Downer aus schön verarbeitetem Zucker. Seine Primärdroge ist aber bestimmt das Theater, das Rüben- oder Rohr-Derivat wäre dann bloß das Gegengift.
In Hannover knüpft Gosch dort an, wo er in Düsseldorf mit seinen phänomenalen «Sommergästen» von Maxim Gorki aufgehört hatte. Die Anknüpfung ist zunächst mehr eine Drehung um neunzig Grad: Wo Johannes Schütz einen episch breiten, grau ausgelegten Quader mit Aussicht auf einen gefällten Baum baute, flüchtet die Bühne jetzt in die graue, hermetisch abgedichtete Tiefe. Der Saal im seit einem Jahr vaterlosen Hause Prosorow in der Provinz fühlt sich mindestens so lang an wie das Warten für Olga, Mascha und Irina auf eine Perspektive in einem Raum ohne gültige Referenz – ohne Fenster, ohne Vater, ohne Lover, ohne Glamour. Und Moskau liegt vielleicht irgendwo im hellen Zuschauerraum, in den gelegentlich eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nur 47 Minuten und 23 Sekunden dauert Thomas Palzers Feature über die Elektrifizierung des Wissens, und wenn man nach dem Hören den erstaunt geöffneten Mund wieder zuklappt, dann weiß man, dass man eine verdichtete Informationsmenge aufgenommen hat, die die eines normalen Features in der Standardlänge von 54:30 bei weitem übertrifft. Zeit also, das eigene...
Impulsgeber
Die neuen Künstlerischen Leiter der Impulse, des verdienstvollen Festivals des Freien Theaters, heißen ab sofort Tom Stromberg (ehemals TAT, ehemals Hamburger Schauspielhaus, derzeit Impresario von Peter Zadek) und Matthias von Hartz. Die schlechte Nachricht dabei: Das bisher jährliche Festival wird aus Kostengründung biennal und geht erst 2007 wieder...
Seit September hat das Wiener Volkstheater einen neuen Direktor. Diesen Satz konnte man zuletzt vor siebzehn Jahren schreiben, als mit Emmy Werner erstmals einer Frau die Leitung einer großen Wiener Bühne übertragen worden war. Zum Nachfolger der Langzeitintendantin wurde der Wiener Regisseur und Schauspieler Michael Schottenberg berufen. Keine besonders...
