Die ganze Dynamik
In den vergangenen Wochen ist in den Medien viel ums Für und Wider des deutschen Regietheaters gestritten worden. Man nennt so etwas gemeinhin Debatte. Neben der Regietheater-Debatte erleben wir auch noch die Kapitalismuskritik-Debatte. Das Regietheater kommt meist nicht gut weg in der Debatte. Es hatte zuletzt jedenfalls wieder eine schlechtere Presse als der Kapitalismus, den doch viele Debattanten gegen Marx und Müntefering in Schutz nahmen. Dagegen kann man derzeit auf sicheren Beifall rechnen, wenn man von höherer oder höchster Warte das Regietheater beschimpft.
Vielleicht ist dieser Beifall auch deshalb so leicht errungen, weil niemand so ganz genau weiß, was das eigentlich ist: das Regietheater. Irgendwie erschöpft sich die Erklärung jedenfalls nicht in dem, was der Dirigent und Tonsetzer Lorin Maazel vor ein paar Tagen in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» gesagt hat: Deutsches Regietheater erkenne man daran, dass die Schauspieler auf dem Klo säßen und der Regisseur seine eigenen Probleme in den Mittelpunkt stelle.
Trotzdem gilt das Berliner Theatertreffen, das die Kulturstiftung des Bundes mit ihrer Finanzierung als Institution der Bühnenrepublik gefestigt ...
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Dieser Text lässt sich nicht einfach abschütteln. Er nistet sich ein, beißt sich fest, kriecht ein paar Nächte lang übers Kopfkissen. Er hinterlässt Bilder eines abscheulichen Verbrechens: Nach der Lektüre sieht man mondbeschienene Feldwege vor sich, leere Bierkästen Marke «Sternburger» und Springerstiefel, die nach einem erschöpften Körper treten. Man hört einen...
Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung...
Schampus für alle. Die Party steigt im Schauspielhaus. Champagner-Flaschen gehen durch die Reihen, die Schauspieler begrüßen die Zuschauer wie alte Bekannte: «Schön, dass ihr da seid.» Die Bühne ist sowieso nur die Fortsetzung des Zuschauerraums mit anderen Mitteln (oder umgekehrt), dessen Holztäfelung wurde auf der Bühne weitergeführt, dort stehen die Stühle auch...
