Geistesathleten gegen Gretchen

Goethe «Urfaust»

Theater heute - Logo

Selten ist so schön zu sehen, dass «Faust I» – hier in der «Urfaust»-Variante – aus zwei Stücken besteht. Teil 1: das Dilemma eines älteren Gelehrten, der die Welt im Innersten verstehen will, aber inzwischen gemerkt hat, dass der Verstand seine Grenzen hat.
 

Zur besseren Verdeutlichung lässt Regisseur Andreas Kriegenburg seinen Urfaust zunächst von Katharina Matz spielen, seit 1961 im Ensemble des Thalia Theaters.

Sie deklamiert am Rand ihrer Kräfte als leicht verwahrloste Faust-Seniorin und nimmt die Sache sehr ernst, was man von ihrem Regisseur nicht immer behaupten kann. In dem von Kriegenburg selbst entworfenen bunkerartigen Raum mit zwei schmal umlaufenden Buchregal-Schießscharten turnt erst Famulus Wagner (Markwart Müller-Elmau) umständlich in luftiger Höhe, um schließlich eine Pointe zu ernten: «Habe nun, ach, die Birne gewechselt.» Später wird der geflügelte Monolog zum Mitsummen stumm auf Papptafeln präsentiert, unter denen der/die greise Alte pennergleich begraben liegt. Das hätte sich also, ach, auch erledigt.
 

Etwas Bewegung kommt ins dämmrige Professoren-Heim, als der Geist zum ersten Mal erscheint: die Gesichter des Ensembles einschließlich Regisseur und Intendant in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2009
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unter Bäumen

Wie war das noch? Ein Männlein steht im Walde … Nein, eigentlich sind es eine ganze Menge Männlein und Weiblein, die im neuesten Stück der 26-jährigen österreichischen Autorin Gerhild Steinbuch buchstäblich und metaphorisch im Wald stehen. Und selbst wenn Hoffmann von Fallerslebens Kinderlied weder in Text noch Inszenierung vorkommt, gibt es doch ein passen­des...

Der Minimalist

Gleich bei unserem ersten Gespräch haben wir uns intensiv über die Neuerscheinungen zu den Paulus-Briefen unterhalten. Philipp Hauß hat nämlich ein Philosophie-Studium an der Universität Wien begonnen und besucht regelmäßig die Lehrveranstaltungen. Es beschäftigt ihn die Frage, wie man aus philosophischer und theologischer Perspektive ein Geheimnis denken kann....

Die Kontrakte des Kaufmanns

Ich spiele auf Ihnen wie auf einem Instrument, die richtigen Töne werde ich irgendwann schon aus Ihnen herausbekommen. Ich verstehe, Sie sind also weder Hellseher noch Spekulant, Sie sind überhaupt unschuldig, haben Sie dem noch etwas hinzuzufügen? Fast erreicht und doch gescheitert, fast hätten wir die Bank saniert gehabt, wenn wir nicht gescheitert wären – sowas...