Berlin: Theatrale Dienstleistung

René Pollesch «Service/No Service», Markus Öhrn «Wir sind die Guten»

Theater heute - Logo

Die Protagonistin im Superman-Outfit laboriert an einem «Divaanfall». Soeben hat sie zum zwölften Mal mitten in ihrem Elektra-Monolog die Bühne verlassen. Klarer Fall von «no service» also: «Ich bin eben nicht immer in Geberlaune», erschließt die Diven-Darstellerin Kathrin Angerer dem Theater neue Verweigerungsnöldimensionen.

René Polleschs Berliner Volksbühnen-Abend «Service/No Service» – ein vergleichsweise epischer Neunzigminüter – tritt also wider den Dienstleistungs-Status-quo der gemeinen Bühnenkunst an und lässt die Zuschauer in Bert Neumanns letztem Theaterraum betont kunden­un­freundlich auf dem blanken Boden hocken. Die Sitzsäcke, auf denen man sich in der spielzeitübergreifend vollasphaltierten Volksbühne bei Frank Castorfs «Karamasow»-Marathon noch lümmeln durfte, sind eliminiert – was dem Thespiskarren, auf dem sich der Schauspieler Daniel Zillmann als Regisseurs-Karikatur übers Szenario schieben lässt, immerhin größere Radien ermöglicht.

Apropos Antiken-Karre: Die Theaterhistorie fungiert an diesem Abend quasi als Dauer-Sidekick; allerdings eher im (gemessen am «No Service»-Credo durchaus publikumsfreundlichen) Entertainment- und Behauptungsmodus als in jenem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Künstlerporträt: Die Schmerzens­mutter

Ein Kino. Febo Maris «Cenere« (1916) wird gezeigt, der einzige Film mit dem italienischen Theaterstar Eleonora Duse (1858–1924). Und mehrere Minuten dieses Films eröffnen John Neumeiers Ballett «Duse», stumm, in eine Ecke der Bühne verbannt, eine beeindruckende szenische Lösung, aber auch ein bisschen verschenkt. Denn um den heute nur schwer erhältlichen Film geht...

Neue Stücke · Hinweise auf wichtige Urauffüh­rungen und Inszenierungen · Theater-Suchlauf im Fernsehen

Neue Stücke

«Ich weiß nicht, ob er je eine Inszenierung von mir wirklich geliebt hat – mich hat er ja meistens beschimpft!» Claus Peymann macht’s gleichwohl noch einmal und inszeniert
an der Wiener Burg die Uraufführung von Peter Handkes «Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße». Protagonist «Ich» begegnet darin auf einer Landstraße allerlei...

Niemand hat nur eine Identität

Ivo Dimchev ist ein sanfter und wilder Künstlerteufel aus Bulgarien, der uns mit Sarkasmus, Schmerz, abgründig und komisch die Strukturen einer läppischen sozialen Verabredung um die Ohren haut und immer etwas weiter geht als die Erwartung. Als osteuropäische, nicht traditionelle Hure (wie er sich einmal nennt), holländisch geschult in postdramatischer Performance,...