Auslaufende Detonationswellen
Traute Held hat Brustkrebs. Täglich muss sie zur Bestrahlung. Ihre jüngste Tochter hat ihr die Haare abrasiert und bewahrt sie in ihrem Kissen auf, damit sie von der Mutter träumt. Traute verlässt ihre Töchter und ihren Mann Erwin, erstmal, obwohl sie ihn liebt.
Erwin hat ein schlechtes Gewissen, weil er nicht da war, als Traute von ihrer Krankheit erfuhr. Auch eine Affäre hatte er. Erwin versucht alles, um Traute zu halten: Versprechungen, Vorwürfe und vernünftige Gründe.
Traute erträgt es nicht länger, leise im Badezimmer zu kotzen, während der Rest der Familie am Abendbrottisch sitzt. Andere brauchen in dieser Situation ihre Familie, Traute braucht Abstand. Die Zeit wird zu knapp für Alltag.
Mit den Töchtern verabredet sie sich an den Nachmittagen, und Erwin lädt sie von Zeit zu Zeit in ihr Hotelzimmer ein. Rendezvous mit dem eigenen Mann in der eigenen Stadt, das wollte sie schon immer. Und Traute ist auch gerne «Valerie», die großbusige, unversehrte Rothaarige, die für gutes Geld am Telefon Männer tröstet. Davon weiß Erwin noch nichts.
Erwin erträgt weder das tägliche Leben ohne seine Frau, die er noch immer begehrt, noch die Stimme seiner Mutter im Haus, aber er gibt ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 154
von Dietmar Böck
Gerade ist Dimiter Gotscheff noch einmal aufgestanden, um sich den vierten Whiskey zu holen. Wahrscheinlich ist heute wirklich nicht sein Tag. Schon nach dem zweiten Schnaps hat der lichtscheue Bulgare gestöhnt: «Es ist Montag, ich bin unvorbereitet, von mir kriegen Sie nicht mehr! Nehmen Sie es wörtlich. Ich kann über meine Arbeit nicht reden, ich kann nur brüllen...
Ich träumte, dass mir ein Mann mit einer Brille erschien und zu mir sagte: ‹Nicht im Möglichen schweben, sondern das Wirkliche tapfer ergreifen! In der Tat liegt die Freiheit.›» Aus dieser geträumten Forderung entfaltet Justine del Corte in ihrem «Alptraum vom Glück» ein Panoptikum von Geschichten und Geschichtensplittern, die sich ineinander verweben und sich ab...
Am Anfang war das Feuer. Die Idee. Ein Waldbrand. Was geschieht, wenn Menschen mit archaischen Zuständen konfrontiert werden? Unvermittelt. Ungeschützt. Schon in ihrem Stück «Monsun» hat Anja Hilling am Ende die Fotografin Melanie in Vietnam einem ununterbrochenen Regen ausgesetzt, der alle Reste der Zivilisation fortspült und sie damit auf sich selbst...
