Krippenspiel mit Hermaphrodit
Rotes Absperrband umflattert die Kellerzelle, die in den Bühnenboden eingelassen ist. Wie ein lichtgefüllter Swimmingpool strahlt sie zu sphärischen Klängen ins Schwarz des übrigen Bühnenraumes. Vieles erinnert an eine Ausgrabungsstätte, anderes weckt im Zuschauerhirn Assoziationen zu kaum vergangenen Tatortbildern. Natascha Kampusch und die Kellerkinder aus dem Fritzlfall scheinen imaginär aus der trostlosen Zelle zwischen Matratze und Kühlschrank heraufzuwinken. Man verspürt Beklemmung, ohne dass hier irgendetwas passiert wäre.
Dann entert eine Vierergruppe in Pelzmantel- und Goldhelmuniform die Zelle wie einen fremden Planeten. Von Betroffenheit keine Spur. Die sind nicht von der Kripo, sondern aus der Zukunft. Sie hängen in und um den Keller ab wie Schüler, die trockene Vergangenheit auf Exkursionen zu römischen Ruinen mit der eigenen Fantasie aufpeppen. Dieser Keller entpuppt sich, während die vierköpfige Gruppe einen heiteren Diskurs über Eva und den Sündenfall, Pocahontas und antike Mädchenmüllhalden führt, als historischer Schauplatz.
Hier begann der Erlösermythos vom Hermi, das den Schlamassel mit den Geschlechterrollen beendete. Denn Marie Bues inszeniert «Die Hölle ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Chronik Stuttgart, Seite 58
von Judith Engel
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