Die Banalität des staatstragenden Bösen

Martin McDonagh «Der Kissenmann»

Theater heute - Logo

Idealer und stimmiger kann der äußere Rahmen für dieses Stück kaum sein: In Ingolstadt spielt man Martin McDonaghs «Kissenmann» auf der Werkstattbühne im Keller – ein betongrauer, hermetischer Raum mit bedrängend niedriger Deckenhöhe, kalt und fensterlos, unauffindbar. Da dringt kein Wort, kein Schrei nach draußen; das einzige verlässliche und zeitverstreichende Geräusch: Es tropft immer irgendwo aus rostigen Rohren, nervtötend leise monoton, dann ohrenbetäubend und hirnzersetzend laut.

Ein legaler Ort für illegale (Staats-)Machenschaften in einem nicht benannten Land, in dem man es nötig hat, vorgefertigten «Wahrheiten» mit Drohungen auf die Sprünge zu helfen.

Und wenn sich die Bühnenwände, die Svea Kossack noch rundherum mit bei Einschüchterungsbedarf schrill scheppernden Aktenschränken ausgekleidet hat, auch ab und an öffnen, den Blick auf lichte und idyllisch falsche Außenwelten freigeben – es bleibt eine Illusion, dass es aus diesem Verhörverschlag ein Entkommen gibt. Allenfalls Erinnerungen durchdringen die Mauern, die Figuren, die durch sie treten, kommen als lächerlich unwirkliche Einbildungen daher. 

Schirin Khodadadian hat konsequent ein Folterkammerspiel inszeniert, das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
Was hatte ein Dramaturg bei Brecht zu tun?

Zum ersten Mal begegnete ich Palitzsch bei der ersten Probe zur ersten Aufführung des Berliner Ensembles im Zuschauerraum des Deutschen Theaters in der Schumannstraße. 

Wir hatten da eigentlich beide nichts zu suchen. Palitzsch war der Dramaturg des Ensembles, und ich ein junger Schauspieler, der keine Rolle im «Puntila» hatte. Aber da uns keiner wegschickte,...

Fun ist ein Schaumbad

Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...

Clown Adam

Die Cinemascope-Kiste steht wie ein zu groß geratenes, dummerweise aber leeres Weihnachtsgeschenk auf der Bühne. Das passt insofern, als die Spielzeit sich bereits der Halbzeit und das Theater jener Form der Entspannung nähert, die sich immer dann einstellt, wenn der Betrieb zwischen den Jahren nicht mehr unbedingt auf Hochtouren läuft. Betrachtet man es so, könnte...