St. Pölten: Grillparzer fast forward
Das goldene Vlies aus der Argonautensage ist so etwas wie der «McGuffin» bei Hitchcock: ein sagenumwobenes Ding, um das sich alles dreht, obwohl es selbst eigentlich nichts zur Sache tut. In seiner Trilogie «Das goldene Vlies» (1821) liefert der österreichische Klassiker Franz Grillparzer zur Medea-Tragödie noch die Vorgeschichte dazu. Im ersten Teil, dem Einakter «Der Gastfreund», erfahren wir, wie das Vlies zu seinem schlechten Ruf kam. Im zweiten Teil, «Die Argonauten», wird die Amour fou zwischen dem Griechen Jason und der Barbarin Medea erzählt.
Erst der dritte Teil, «Medea», beinhaltet dann das bittere Ende der Geschichte.
4500 Verse umfasst die Trilogie insgesamt. Viele davon bekommt man im Landestheater Niederösterreich nicht zu hören. Regisseurin Alia Luque hat «Das goldene Vlies» so beherzt eingestrichen, dass die reine Spielzeit bloß 95 Minuten beträgt; das dürfte Rekord sein. Dazu kommt, dass in die St. Pöltener Textfassung auch noch Zitate aus jüngeren «Medea»-Bearbeitungen – von Jean Anouilh, Per Lysander/Suzanne Osten, Heiner Müller und Christa Wolf – eingearbeitet wurden, und sogar ein paar Verse Erich Fried: «Die Gewalt fängt nicht an, wenn einer ...
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Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Wolfgang Kralicek
Erinnert sich noch jemand an Werner Schwab? Den Grazer Radikaldramatiker Anfang der Neunziger, der wie Phönix aus der steirischen Asche stieg, in drei Jahren anderthalb Dutzend Stücke schrieb und sich in der Silvesternacht 1994 35-jährig zu Tode trank? Gelegentlich stehen noch seine «Präsidentinnen» auf einem Spielplan als unkaputtbare Klokomödie mit drei...
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Der Keim der wahren Freiheit gedeiht in Unfreiheit», lautet eine von Alexander «Kruso» Krusewitschs dialektischen Überzeugungen. Ja, es muss im Spitzelstaat DDR aufregend anarchische Spielräume gegeben haben, kaum nachvollziehbar aus heutiger Perspektive und schon gar für einstige Kinder der BRD allenfalls diffus erahnbar. Immer noch und immer wieder werden diese...
