Geben? Nehmen!
Und die Bibel hat doch nicht recht. «Gebet, so wird euch gegeben», beschwor der Apostel Lukas im Namen des Herrn die Gläubigen und säte den Samen für einen Tatbestand, der heutzutage als «Bestechung» firmiert. Denn die menschliche Natur unterwarf sich höchst selten dem von Lukas gepriesenen Gebot des absichtslosen Gebens, dem die Belohnung, notfalls nach dem Tode, folgen werde. (Und absichtslos konnte es, genau genommen, nachdem das christliche Versprechen einmal ausgesprochen war, ja schon nicht mehr sein.
) Der Durchschnittsmensch gibt in der Regel eher, wenn die Bilanz seiner Spendierfreude schon im Diesseits aufgeht.
Auf dieser unschönen, aber realitätsgerechten Einschätzung basiert bereits die Erbschleicher-Komödie «Volpone» des Shakespeare-Rivalen Ben Jonson von 1606. Der schwerreiche Venezianer Volpone hat daraus eine lukrative Geschäftsidee entwickelt. Mit Hilfe seines intrigebegabten Dieners Mosca hat er die Fama seines nahen Todes verbreiten lassen, was in den «Freunden» des Kinderlosen eine sagenhafte Gebefreudigkeit auslöst. Als Belohnung winkt die Erbschaft, und keine Schweinerei scheint zu abgelegen, um den Status des Alleinerben für sich zu sichern. Viehisch benehmen ...
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Ich mache da nicht mehr mit», murrte der Statiker, der das Haus seit längerem mit Argwohn beobachtet hatte, und hängte ein Vorhängeschloss an die Tür des Kleinen Hauses in Dresden. Das war im Jahr 2002. Dem Publikum war schon seit 1998 der Zutritt verwehrt. Seitdem durfte nur noch geprobt werden, doch nun war zum allgemein maroden Zustand der Gebäudesubstanz noch...
Andreas Dresen hat sich früher einmal, in seinem höchst erfolgreichen Experimentalfilmer-Alltag, noch mit einer «halben Treppe» irgendwo in Ex-Ost-Deutschland an der Oder zufrieden gegeben. Jetzt macht er gerade Oper in Basel am Rhein, und da wird er unweigerlich zum monumentalistischen Gesamtkunstwerker. Klar hat ihn die halbe Treppe damals wie kein weiterer Film...
Eine Leiche im Keller belebt jedes Drama. Und wenn das Stück unbeerdigte Vergangenheit da unten auch noch von historischer Verstrickung erzählt, dann braucht man sich um die exemplarische Bedeutsamkeit fast schon keine Sorgen mehr zu machen. Fast. Denn nicht alle Vergangenheiten sind gleich, und die jüngste ist nicht immer die explosivste. Jedenfalls nicht im...
