Mannheim: Erkaufte Freiheit
Große Romane sind die Kühe, die in Herden durchs Theaterdorf getrieben werden: Im Gegensatz zu zeitgenössischer Dramatik kann man leise Kenntnis beim Publikum voraussetzen, sei es durch eigene Lektürae oder durch Feuilleton-Debatten, sie warten nicht selten mit eigenwilliger poetischer Sprache auf und mit komplexen Figurenzeichnungen. Das Nationaltheater Mannheim hat nun die deutschsprachige Erstaufführung von «Meine geniale Freundin» nach den Bestsellern der italienischen Autorin Elena Ferrante herausgebracht.
Die Inszenierung von Felicitas Brucker absolviert die ersten beiden Bände, die Fortsetzung soll in der nächsten Spielzeit folgen und die ganze neapolitanische Saga umfassen.
Felicitas Brucker lässt die Zeiten auf der Bühne ineinandergreifen: Zwei Schauspielerinnen verkörpern Elena, Lila wird zuweilen gar von vieren gegeben. Melanie Lüninghöners Elena ist die erwachsene Erzählerin, die in ihre Kindheit und Jugend zurückreist und vom Aufwachsen berichtet, das alltägliche Gewalt, die Camorra, Armut und Misogynie prägen. Für die Nachbarskinder Elena und Lila bietet zuerst die Bildung einen Ausweg aus dem repressiven Umfeld, für Lila schließlich – als sie die Schule aufgrund ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Esther Boldt
Das Erste, was uns vor dem Pavillon zwischen Théâtre de la Ville und Théâtre du Châtelet in die Hand gedrückt wird, ist ein Orientierungsplan für die beiden Bühnen im Zentrum von Paris. Die Châtelet-Seite zeigt Rot auf Schwarz eine labyrinthische Grafik voller Linien und Reizworte. HYSTERIE, KRIEG, ANGST und UNTERWERFUNG stehen SEX, LUST, JUGEND und ZURÜCKWEISUNG...
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«Würde es dich stören, das Handy wegzulegen, wenn wir miteinander sprechen?» – «Mir war nicht klar, dass das ein Gespräch ist» – Das klingt doch nach idealen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Urlaub! Der da schulmeistert ist Falk, Philosophieprofessor, intellektueller Machtmensch, Vater zweier Streber, ein Mann mit hoher rhetorischer und ökonomischer...
