Das Schicksal der Hochmoderne

Karin Beiers vielstündige Nacheröffnung des Hamburger Schauspielhauses mit dem Mythen-Marathon «Die Rasenden» – und ein «Sturm» über Lampedusa

Theater heute - Logo

Am Ende sind die Experten auch nicht schlauer: «Ganz allgemein – es bleibt einfach schwierig», meint einer der drei Herren im Rollkragenpulli, der sich hocheloquent, aber meinungsarm an seiner Tafel abmüht und das Problem mit Schrödingers Katze vergleicht. Ob die gerade schon tot sei, wisse man als Beobachter auch nie. Die andere Fachkraft stottert ein bisschen um Determinismus und Willensfreiheit herum – nichts Genaues weiß man auch hier nicht –, und der Dritte hadert mit der String-Theorie, ebenfalls nur so eine Hypothese. Die Frage, die eigentlich gestellt war, kam von Orest.

Der jüngste Atridenspross wollte ziemlich dringlich wissen, ob er schuldig sei, nachdem er aus Rache für den Vater Mutter Klytaimnestra mit dem Beil erschlagen hat. Karin Beiers Antiken-Großinszenierung zur Eröffnung des Hamburger Schauspielhauses erklärt sich nach fast sieben Stunden Mythen-Theater demonstrativ ratlos. Dabei hätte jeder Hamburger Amtsrichter den Fall locker klären können. Aber dazu später.

Die neue Intendantin am (nach Plätzen) größten deutschen Theater von Rang hat sich mit einem antiken Marathon-Projekt vorgestellt, das einen sehr eigenen Weg durch die blutigen Rache-Landschaften der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 4
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Faszinierende Mechanik

Wie kann diese schöne Frau nur so kalt sein? Regina Giddens, geborene Hubbard, bei Nina Hoss eine schlanke und elegante Erscheinung in schlichten Etuikleidern, mit hochgestecktem Haar und lackierten Fingernägeln, sitzt ruhig und doch gespannt wie ein Flitzebogen auf der schwarzen Ledersofakante, während ihr herzkranker Gatte Horace (Thomas Bading) seine letzte...

Heul Hitler!

«Tja, das war der Drache.» Noch bevor der Vorhang sich öffnet, resümiert Hebbel persönlich (Wolfgang Rüter) die ruhmreichen Taten seines Helden. Des Dichters lässige Vorrede ist amüsant und befremdlich zugleich: Mit seinen Zwergenkämpfen und Drachenblutbädern wirkt der Nibelungenstoff nicht heroisch, sondern alt­backen und unfreiwillig komisch. Vielleicht ist er im...

Glück auf!

Nach der missglückten deutschen Erstaufführung am Berliner Deutschen Theater (s. Th 1/14, S. 35) zeigt in Hamburg Anne Lenk, wie Martin Crimps «In der Republik des Glücks» auf dem Theater funktioniert. Kleines Geheimnis ihres großen Erfolgs: Man muss Figuren, um sie zu kritisieren, sehr ernst nehmen. Dann übernehmen sie das mit der Kritik ganz von selbst.

Zum...