Am Kreuz: Rífa Hansen, unten: Patrick Güldenberg, Felix Rech und Annika Meier in «Caligula», Regie Antu Romero Nunes; Foto: Julian Röder

Das alte Haus von Bertolt B.

Oliver Reese eröffnet seine Intendanz am Berliner Ensemble mit Camus’ «Caligula», Brechts «Der kaukasische Kreidekreis» und Arne Lygre

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Nehmen wir es einen Augenblick spaßeshalber ernst: Was könnte es bedeuten, wenn Oliver Reese, der so sehr um Gegenwart bemühte neue Intendant, seine Amtszeit am Berliner Ensemble mit Camus’ «Caligula» eröffnet? Dem Drama eines absoluten Herrschers, der nach dem Tod seiner heiß und inzestuös geliebten Schwester Drusilla auf den reichlich banalen und melancholischen Gedanken kommt, die Menschen seien sterblich und nicht glücklich.

Und der daraus mit messerscharfer Logik folgert, dass, wenn alles egal ist – Existentialisten sprechen von «absurd» –, man mit diesen Menschen im Vollbesitz der Machtfreiheit auch alles machen könne: sie umbringen, foltern, enteignen etc. – und das auch tut. Ein Herrscher, der sich dann in seiner angeblich sinnlosen Welt selbst ein paar Sinnkrönchen als Gott und Künstler und allmächtiger Tyrann aufsetzt, die sich nach seiner Schlussfolgerung natürlich ebenfalls als sinnlos erweisen. Ein Herrscher, der sich während all dessen von seinen verängstigten und unterschiedlich korrupten Patriziern und Anhängern umschmeicheln lässt, deren Verlogenheit er dann billigerweise entlarvt und sie schließlich so lange quält, bis sie ihn endlich per Staatsstreich erlösen.

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Theater heute November 2017
Rubrik: Start, Seite 48
von Franz Wille

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