Festival: Erkundungen im uneigenen Terrain

Das Münchner Spielart Festival versucht unter neuer Leitung den Euro­zentrismus hinter sich zu lassen

Theater heute - Logo

Es gab Zeiten, da konnte man den Eindruck gewinnen, Festivals kreieren, losgelöst von lokaler Verortung, ein sich vorwiegend aus Eigenblut speisendes System international zirkulierender Großproduktionen, deren gemeinsamer Nenner vor allem in ihrer möglichst voraussetzungslosen universalen Rezipierbarkeit liegt. Beim Münchner Spielart Festival, und nicht nur dort, beginnt sich dieser Trend seit einigen Jahren in gewisser Weise umzukehren. 

So zeigt der kongolesische Tänzer und Choreograf Faustin Linyekula zur Eröffnung der 13.

Ausgabe des biennalen Festivals im Haus der Kunst mit «Banataba» eine Performance, die die aktuelle Rückführungsdebatte um afrikanische Kunstwerke auf eine sehr persönliche Weise ausformuliert. An jedem Ort der Welt, an dem er arbeitet, fragt Linyekula nach, welche Artefakte aus seinem Heimatland dort aufbewahrt werden. So stieß er in den Lagerräumen des Metropolitan Museums in New York auf eine Statue der Lengola-Kultur, auch für ihn, der sich eigentlich nicht so sehr für Gegenstände interessiert, zunächst nur ein Stück Holz, aber vermutlich an ihrem Herkunftsort so etwas wie ein Mittelpunkt der Dorfgesellschaft. Zusammen mit seiner Mutter bricht er auf, um ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Die andere Ophelia

Keinen Moment zweifelt Ophelia daran, dass Hamlet sie noch liebt. Das Beste für sie will, auch wenn er es nicht sagen kann. In jener üblen Szene, in der er die junge Frau demütigt, beleidigt, ins Kloster schicken will, hebt sie ihn einfach hoch. Die schmale Gina Haller mit fast kahl rasiertem Kopf, Herrenjackett über dem weißen Kleid, nimmt ihn und stellt ihn...

Vorschau - Impressum (1/2020)

Musicals in New York sind in Zeiten von Donald Trump auch nicht mehr das reine Unter­haltungs­vergnügen, das sie einmal waren. Über «Hadestown» (Foto), «Dear Evan Hansen» und eine neue Art politischer Kunst

Was darf Kunst? Was heißt Repräsen­tation? Wo beginnt Diskriminierung? Ein Kunstdiskurs als neues Stück: Thomas Melles «Ode», der Stückabdruck

Sebastian...

Ins Dunkle!

Ist Yael Ronen plötzlich esoterisch geworden? Schon öfters hat sich die israelische Re­gisseurin mit dem beißenden Humor jetzt als Schamanin bezeichnet, und wer ihr auf der Straße in Kreuzberg begegnet, sieht sie mit allerlei Klunkern und Ketten behängt. Und jetzt auch noch im Theater: «Rewitching Europe», die Wiederverhexung Europas, nennt sie ihre neueste...