Ethnovati, Girlietochter
Eine Bettszene in schneeweißen Laken. Jean-Luc (19): «Hier. Ich habe den Feynman für dich ausgeliehen.» – Catherine (18): «Danke. Jetzt nicht.» Feynman ist der Stephen Hawking für gehobene Ansprüche, also nobelpreisdekorierte Quantenphysik mit Populärfaktor. «Danke. Jetzt nicht» – das ist eine Antwort, die es eine Nummer kleiner will, und klingt nach einem Versprechen: Erkunden wir uns lieber selbst, bevor wir die Welt in Angriff nehmen; es könnte kuschelig werden.
Leider wird daraus nichts. Catherine hat gerade andere Sorgen.
Ihr verschollener Vater Diego aus Paraguay ist wieder aufgetaucht und will ein wenig den Wertekanon seiner Tochter hinterfragen. Atomkraft, Konsumlust, Seinsvergessenheit können doch nicht alles sein im Leben eines französischen Teenagers mit südamerikanischen Wurzeln! Da muss mehr Besinnung her, auf das authentische Selbst oder wenigstens auf den modernisierungskritischen Teil davon. Aber Catherine zeigt sich nicht empfänglich für diese Botschaft. Schon ihr Einstieg – «Danke. Jetzt nicht» – steht pars pro toto gegen die geballte Klugheit, die ihr im Laufe dieses neuen Stückes von Simon Werle begegnet.
Die Klugheit kommt verzaubert daher. Diego (50) zapft am ...
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Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben kleinen Engeln» – gemeint ist hier in naturgemäß realitätsferner väterlicher Wahrnehmung die eigene Tochter, das Käthchen, eine kleine, mollige Göre, die grimassierend des Vaters Ausführungen kommentiert. Vater Theobald Friedeborn,...
Nach der Ermordung von Anna Politkowskaja meinte Gerhard Schröder erneut, sein Männerfreund Wladimir Putin sei ein aufrechter Demokrat und so was wie der Tod der Moskauer Jornalistin komme in einem Land, das gerade seinen Weg in die Demokratie finde, nun mal vor. Zum Tod des früheren russischen Spions Alexander Litwinenko äußerte Schröder sich bislang noch nicht....
