Wer rumschreit, hat Unrecht?
Wut ist Teil meines Theaters. Obwohl ich sehr liebevoll mit den Leuten arbeite. Aber schon was ich behandle, hat sehr viel mit Wut zu tun. Zum einen mit einer verbreiteten Art, Theater zu spielen, an der ich als Schauspieler verzweifelt bin. Wo ich gerne selbst viel weiter gegangen wäre, bin ich runtergedrückt und weggeputzt worden. Als Regisseur habe ich auf einmal Gelegenheit, das so richtig loszulassen und gleichzeitig das, was ich am Theater als Schauspieler erlebt habe, zu kontern.
Denn Wut ist ja eine Entäußerung – und eigentlich etwas Wunderbares, in unserer Gesellschaft aber nicht zugelassen. Wer rumschreit, hat Unrecht. Deshalb traut sich auch keiner mehr in einer Talkshow, mal richtig durchzudrehen und loszuschreien. Wie Kinski. Das gibt’s nicht mehr. Alles ist gepflegt, distanziert, ein und derselbe Ausdruck. Schon deshalb reizt es mich, diese Kraft zu finden, Leute, die ausrasten und die Nerven verlieren. Weil man es nirgends mehr sieht! Fast wie der Tod, den kriegt man ja auch nicht mehr
mit. Extreme Gefühle werden nur noch in den eigenen vier Wänden abgehandelt, wo sich die Leute dafür auch gleich am liebsten umbringen.
Und um mal konkret und auch ein bisschen ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Herbert Fritsch, Seite 7
von Herbert Fritsch
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