Im Labyrinth des Übergangs
Am Tag nach seinem Tod, als sei das Leben ein Staffellauf, präsentierten die Spitzen der Politik den künftigen Bundespräsidenten. Umringt von westdeutschen Heuchlern vor den Kameras: eine Pfarrerstochter und ein Prediger aus der untergegangenen Republik. Deren Stimmen hatten einen so auffallend anderen Klang, als sei von den Träumen vom besseren Vaterland gegen den Augenschein etwas übriggeblieben, was kein Regime und kein Opportunismus schänden konnten. Er hätte es vielleicht gern erlebt.
Zum ersten Mal traf ich Thomas Langhoff am 19.
Dezember ’79 auf den Stufen zum Gorki-Theater: schwarzer Cordanzug, Vollbart, Pfeife, zwischen Schultern und Nacken die geballte Kraft seiner Energie. Ich war aus Frankfurt gekommen, um mit ihm über ein Remake der «Drei Schwestern» zu verhandeln, die er am Anfang des Jahres auf die Bretter des Gorki Theaters gezaubert hatte. Er war beim Fernsehen der DDR in der Pflicht, einen Film zu drehen, und hatte keine Zeit, eine neue Arbeit vorzubereiten. In Frankfurt lief die letzte Spielzeit der Ära Palitzsch. Das Haus musste sich mit einem Remake begnügen, wenn es von Langhoff noch eine Inszenierung bekommen wollte.
Ich hatte eine Mappe mit Fotos ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2012
Rubrik: Akteure, Seite 44
von Michael Eberth
Die Sonne scheint. Das Alpenpanorama leuchtet, freudig läuft der Hund vorneweg, wackelig auf wenig bergtauglichen Schuhen folgt ihm die Frau. Und dann ist da plötzlich – nichts. Ein Nichts, das ein Ende ist. Es geht nicht weiter, obwohl die sich hinabschlängelnde Straße ins Weite zu führen scheint. Denn da ist die unsichtbare «Wand».
In Julian Pölslers...
Es gibt Theaterhäuser, da weiß man vorher, wie der Abend aussehen wird: Bühnenbild, Kostüme, geschminkte Schauspieler sprechen Texte von lebenden oder toten Autoren. Dazu mehr oder weniger Musik, bunteres oder schlichteres Licht. Gerne auch mal Videoprojektionen in verschiedenen Formaten. Am Schluss wird geklatscht, und danach wird der Abend 10- bis 30-mal...
Das HAU ist ein schwer festzunagelndes Lieblingstheater. Eines seiner Vorgänger in dieser Kategorie, die Berliner Volksbühne, war da deutlich leichter zu fassen mit ihrer Aura aus Arroganz, Exzentrik und Rock’n’Roll. Man konnte sich buchstäblich wärmen an diesem oft mit einem Panzerkreuzer verglichenen Haus, von dem der ehemalige Volksbühnendramaturg Matthias...
