Kant, Hegel und Marx
Auch wenn die Größenverhältnisse andere sind, so verhält es sich mit dieser Sunnyi Melles auf der Zürcher Pfauenbühne doch gerade so wie mit einer gewissen Nicole Kidman in einem Film namens «Australia»: Da wird eine Diva gewordene Lichtgestalt, ein Geschöpf, an Körper wie an Benehmen ganz und gar vornehm, ein Wesen, so hell und zart und zerbrechlich, plötzlich zur handfesten Komödiantin und fühlt sich in diesem Aggregatszustand so sichtbar wohl wie selten.
Oder um es etwas direkter zu sagen: Was für eine Granate, diese knapp 50-jährige Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein! Dafür lohnt sich der Abend.
Wie sie da als «Millionärrin» mit künstlichem Kniegelenk auf dem Deck eines Luxusozeandampfers im schwarzen Badekleid auf einem zitronengelben Badetüchlein graziöse Turnübungen macht, als wäre sie aus einem Fitzgerald-Roman. Wie sie ununterbrochen verschiedene Erregungszustände miteinander verwurstelt, bis es euphorischer gar nicht mehr geht, und es spielend schafft, prominente Mitreisende und Reiseziel in einen Ausruf zu verpacken: «Kant und der Kardinal! Ich liebe Amerika über alles!»
Den einen findet sie so «elegant» und möchte ihn deshalb als nächsten Papst sehen, den andern kennt sie ...
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Herr Keriakous, der Grieche, übertreibt es mit der Liebe für seine verstorbene Frau, findet «der Vater» in Dennis Kellys Szenencollage «Liebe und Geld». Wer Geld hat, viel Geld, kann die Liebe zu einer Toten in Marmor, Stein und Eisen gießen und einen Tempel auf ihr Grab setzen, aber dass dieses griechische Privatmonument einen ungehörigen Schatten auf die letzte...
Wie war das noch? Ein Männlein steht im Walde … Nein, eigentlich sind es eine ganze Menge Männlein und Weiblein, die im neuesten Stück der 26-jährigen österreichischen Autorin Gerhild Steinbuch buchstäblich und metaphorisch im Wald stehen. Und selbst wenn Hoffmann von Fallerslebens Kinderlied weder in Text noch Inszenierung vorkommt, gibt es doch ein passendes...
