Pasolini als Heilsgeschehen
Spätestens, wenn man die Liegestühle sieht, beginnt man zu ahnen, was Eyüp Yildiz meint. Eyüp Yildiz – das ist der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken, und als solcher hat er bereits vor dem Beginn der ersten von Johan Simons verantworteten Ruhrtriennale eine kleine Debatte ausgelöst.
Yildiz warf Simons vor, die Zeche Lohberg in Dinslaken, die sich der Festivalleiter für seine Auftakt-Inszenierung «Accattone» ausgesucht hatte, bloß als «pittoreske Schachtkulisse» zu missbrauchen, «in der sich die Gesellschaft des Kulturspektakels für einen Sommer lang feiert, um dann weiterzuziehen». Die Lohberger aber hätten Simons nicht zu Gesicht bekommen, die Geste des Dialogs und der Öffnung durch Kultur sei aufgesetzt.
Und nun schaut man also auf diese Liegestühle, die vor der zum gewaltigen Gastro-Foyer umfunktionierten Zentralwerkstatt der Zeche aufgestellt sind. Festivalbesucher in Ausgehgarderobe räkeln sich darin in der Spätnachmittagssonne, das Glas Wein oder die Bierflasche neben sich. Alles nicht verwerflich, nein, alles ganz normal, und man setzt sich sogar gerne dazu. Aber tatsächlich illustriert sich die «Gesellschaft des Kulturspektakels» so gewissermaßen selbst. Von der ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 26
von Wolfgang Behrens
Nicht verjährt. Im November 2014 lief in den Kinos Giulio Ricciarellis «Im Labyrinth des Schweigens» an, der sich als deutscher Kandidat für die Vorauswahl der «Oscar»-Nominierungen qualifizieren konnte (s. TH 11.2014). Jetzt rückt ein zweiter Film nach, der ebenfalls den hessischen Generalstaatsanwalt der jungen Bundesrepublik, Fritz Bauer, zum Helden bestimmt....
Aufs Liebevollste wurde das Gutshaus von den Werkstätten mit Patina versehen. Das pittoresk heruntergekommene Landhaus von Zsolt Khell mit fleckigen Gardinen, altem Kinderspielzeug und 60er-Jahre-Sesseln ist nur noch ein Symbol vergangener Erinnerungen, zu groß, sperrig und uneffizient für die Gegenwart – und so staubig, dass fast der Niesreiz in die Nase steigt.
K...
Oberhofen am Irrsee, 20. Juli 90
In einem Gespräch für «Theater heute», das Thomas mir in der Abschrift zu lesen gab, bedauert er die wenig heroische Rolle, die er in der DDR gespielt hat, und präsentiert sich als einer, der mit der Macht nicht paktiert, aber auch nicht gegen sie aufbegehrt hat. Der Papa war an der Gründung des «besseren» deutschen Staates...
