Im Teenagerreservat

Jakob Nolte/Michel Decar «Das Tierreich» (U)

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Man sollte das mit dem «Tierreich» im Titel ernst nehmen, wenn es in Leipzig um Jungmenschen auf der Abschussrampe ins Leben geht. Sie verhandeln angesagte Songtexte, suchen nach einem neuen Namen für die Schule, hassen wie eh und je Eltern und Lehrer, wollen in der Schülerzeitung über den globalen Waffenhandel oder vielleicht doch über Palästina schreiben. Das geht munter hin und her und wird in einem Mix aus Regieanweisungen, eingestreuten Dialogen und fluktuierenden Erzähltexten verhandelt. Man meint, in einen Adoleszenz-Zoo einzutreten und ist in Gefahr, sich dort zu verlaufen.

Vor welcher Spezies stehe ich gerade? Ist das noch das Freiluftgehege mit der unglücklich verliebten Steppenantilope, schon das Gatter mit dem Hyänenrudel auf Ecstasy oder doch der Käfig, in dem der selbstmordgefährdete Junglöwe traurig seine Runden dreht? Sie heißen Miri, Lennart und Vanessa, wandeln als pubertierende Zombies durchs Leben und erinnern vage an jene Jugendlichen, die wir aus Frank Wedekinds «Frühlingserwachen» kennen. Aus der «Kindertragödie» von 1891 hat das Autorenduo Michel Decar und Jakob Nolte einzelne Motivstränge und Figurenansätze übernommen, bevor es ein Sammelsurium heutiger ...

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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Chronik Leipzig, Seite 56
von Jürgen Berger

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