Neue Stücke · Aufführungen (6/2019)
Neue Stücke
Ganz ohne Quote hat die Jury der Autorentheatertage dieses Jahr nur Werke von Autorinnen ausgewählt. In «ruhig Blut»
von der studierten Philosophin (und Yoga-Lehrerin) Eleonore Khuen-Belasi denken drei Frauen in der Tradition von Beckett und Schwab über Welt und Wandel nach, die Uraufführung inszeniert Clara Weyde in Koproduktion mit dem Schauspiel Graz.
Romanautorin Svealena Kutschke porträtiert in «zu unseren
füßen, das gold, aus dem boden verschwunden» mit einem Mietshaus die ganze Gesellschaft; András Dömötör bringt es am Deutschen Theater Berlin auf die Bühne. Lisa Danulat, die dritte im Bunde (vgl TH 5/19), feiert am Landestheater Dinslaken mit dem Jugendstück «Die Kinder von Nothingtown» (R: Anna Scherer) Premiere. Miroslava Svolikova war bereits im vergangenen Jahr bei den Autorentheatertagen
zu Gast, jetzt bringt sie am Schauspielhaus Wien ein neues Sprachspielstück auf die Bühne: «Der Sprecher und die Souffleuse» (R: Pedro Martins Beja). Mit dokumentarischen Formaten hantiert Corinne Maiers «Bunkern» am Theater Luzern, in dem es um die Schweizerische Zivilschutzleidenschaft geht, sowie Anna
Jelena Schultes Auswandererrecherche «Nach Amerika» ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Daten, Seite 55
von
Die Kamera saugt sich am Gesicht der Mutter fest, der eine Träne über die Wange rinnt, und springt zurück zu den fiebrigen Augen der Moderatorin, die schon wieder ihren nächsten Gast angeht, um ihm ein Gefühl, ein Zitat, eine authentische, zutiefst menschliche Regung zu entringen. An tatsächlicher Auseinandersetzung hat diese Polit-Talkerin à la Anne Will null...
Die beste Szene wird man als Foto nirgends sehen: Das Ensemble steht splitternackt vorm Publikum und fordert es zu Atemübungen auf. Es geht um dieses «Wir lieben uns alle»-Atmen: «Wir sind Europa und niemand sonst. Wir stehen zusammen, nichts kann uns zerstören.» Ironie entlarvt Esoterik als Flucht in die kollektive Verantwortungslosigkeit: «Du hast es dir...
Vor zwei Jahren stand in Heidelberg ein 64-Jähriger vor Gericht, dem Amtsanmaßung, Titelmissbrauch und versuchte Nötigung in mehreren Fällen vorgeworfen wurde. Der Mann hatte sich als Bürgermeister ausgegeben und honorige Heidelberger erpresst: Er verlangte von ihnen Irrsinnssummen, wenn sie ihm nicht eine beglaubigte «Gründungsurkunde» der Bundesrepublik...
