Foto: Lucie Jansch/Schauspielhaus Düsseldorf
Düsseldorf: Zwei Geschwindigkeiten
Der geografische Umriss Deutschlands mit den 16 markierten Bundesländern projiziert sich über das Bühnenbild-Gerüst.
Sind wir also nicht im antiken Griechenland, wo die Geburt der Tragödie statthat? Ist «Die Orestie» des Aischylos leichterhand zu übertragen auf unsere Verhältnisse – und Orest nun ein Killer für den IS-Staat? Kann dann aber seine «Freisprechung» Sinn machen, nachdem er die Mutter erschlug, die wiederum ihren Gatten ermordete, der wiederum die gemeinsame Tochter Iphigenie für den Erfolg im Trojanischen Krieg geopfert hatte?
Die Behauptungen, die Simon Solberg aufstellt, sind unhaltbar. Was hat der Volkszorn von Argos, der auf das Gesetz der Blutrache schwört, bevor sich eine Urform der Demokratie etabliert, womöglich mit rechten, extrem nationalistischen Positionen zu tun, wie hier suggeriert und für die drei Dramen-Teile in großspuriger Fraktur wie «Tod der Republik» oder «Der 4. Weltkrieg findet in uns selbst statt» übertitelt wird? Solbergs denk-schlichte Privatmythologie samt christlicher Ikonografie und Splatter-Movie-Grusel mit ein paar Kübeln Theaterblut bleibt äußerlich. So wie die Landkarte Afrikas, gemalt auf die Brust des Aigisthos.
Auf der aus mobilen ...
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Theater heute November 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Wilink
«Peer Gynt» ist ein selbstreferenzielles System. Ibsen erzählt eine fantastische Geschichte von einem Mann, der fantastische Geschichten erzählt und fantastische Geschichten als real erlebt. Die Illusionsebenen sind vielfältig verschränkt. Alles ist immer ein bisschen «als ob». Stefan Bachmanns Besetzungsentscheidung macht das überdeutlich: alles nur Männer, die...
An Hong Konger Aussichten kann man sich nicht sattsehen. Von den Fenstern des Goethe-Instituts etwa schweift der Blick über das Hafenbecken zwischen Festland und Insel, die rund um die Uhr illuminierte Skyline der gegenüberliegenden Seite Kowloon und auf eine Großbaustelle direkt vor dem Haus, welches sich zwischen dem riesigen Convention Center zur Rechten und...
Sie sind weiblich, radikal und nicht mehr jung. Sie sind die neue treibende Kraft in der griechischen Theaterszene. Sie waren zuvor meist Schauspielerinnen, machten Filme oder Bühnenbilder, weswegen sie als Theater-Regisseurinnen noch jung sind, obwohl sie über vierzig oder noch älter sind. Bei den Salzburger Festspielen war es Athina Rachel Tsangari, deren Film...
