Benutz es!
Die Besetzung verblüfft alle: Warum soll ausgerechnet das schüchterne Entlein Fine die nymphomane Camille (eine «ausgehungerte Hyäne») spielen? Immerhin geht es um eine Aufführung in der Volksbühne, die der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann mit Schauspielschülern bestreiten will. Darum: Weil Fine einen «Schaden» hat! Und ein Schaden, das ist das Einfallstor für Manipulation und Psychoterror, aus denen am Ende Kunst entsteht. Regisseur Friedmann ist da ganz Old School, ein Erpresser und Wüterich, selber hinreichend gestört, um als Genie durchzugehen.
Alkohol, Depression, die Richtung, wie er Fine in einem intimen Moment gesteht, um ihr eigenes traumatisches Urerlebnis hervorzulocken: der gebrochene Arm mit acht, den die Mutter einfach übersah, weil sie so fixiert war auf die geistig behinderte Schwester. Weil Fine sich immer übersehen gefühlt hat, will sie endlich ins Rampenlicht. Manchmal würde sie Schwester Jule am liebsten umbringen.«Benutz das», sagt Friedmann begeistert, «bleib in der Emotion.»
Wie Regisseure so reden, oder wie sich Filmregisseure vorstellen, dass Theaterregisseure reden. Das Drehbuch, das Regisseur Christian Schwochow wie seinen Erstling «Novemberkind» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2012
Rubrik: Magazin: Kino, Seite 61
von Barbara Burckhardt
Aalen, Theater der Stadt
11. Eliot, Mary & Max oder Schrumpfende Schafe, wenn es regnet? (U)
R. Katharina Kreuzhage
Altenburg/Gera, TPT
17. Dreßler nach Stöhr, Berlin Calling (U)
R. Pedro Martins Beja
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
12. nach Fallada, Kleiner Mann, was nun?
R. Tamara Korber
Baden-Baden, Theater
16. Ruhbaum, Max
R. Philipp Löhle
Basel, Theater
16....
Biljana Srbljanovics «Das Leben ist kein Fahrrad», abgedruckt im Januar-Heft, wurde von Mirjana und Klaus Wittmann aus dem Serbischen übersetzt.
1989 war für Václav Havel ein bewegtes Jahr. Noch im Januar wurde er verhaftet, als er an einer Gedenkveranstaltung zum 20. Todestag von Jan Palach teilnehmen wollte. Man verurteilte ihn wegen «Rowdytums» zu neun Monaten Haft, ließ ihn allerdings schon im März auf Bewährung frei. Im Oktober dann erhielt er keine Ausreisegenehmigung, als er in Frankfurt den...
