Das künstlerische Forschen
Zwei Performer an einem Tisch. Sie machen uns nichts vor. Ihre Rolle auf der Bühne beschränkt sich auf die von Technikern: Sie befestigen an quer durch den Raum verlaufenden Schnüren Tafeln, auf denen in fotorealistischem Stil gehaltene Bildausschnitte zu sehen sind, die sich ganz allmählich zu einem Vorhang zusammenfügen, zu einem Mosaik aus Momentaufnahmen. Die Bildmotive greifen die Erinnerungsfetzen auf, die wir gerade schon in einem Hörstück aus dem Off vernommen haben, die Erzählung einer alten Frau. Doch die Bilder wirken nicht wie Illustrationen des Gehörten.
Eher erscheinen sie wie die zweite Vorstellung eines verlorenen «Urtextes», die zweite Annäherung an ein schwarzes Loch. Mit Bildern und Worten, so der Eindruck, wird hier darum gerungen, etwas dem Vergessen zu entreißen, dem unwiederbringlichen Verlust.
«Ephemeres. Vom Verschwinden der Dinge», so der Titel dieser Performance, erzählt auf drei verschiedenen Ebenen von einem Prozess der Auflösung. Da ist zunächst einmal die Erzählung der alten Frau aus ihrem Leben. Einzelheiten, die sie zu erinnern versucht, verstreute Momente eines langen Lebens: vom Hunger, vom Aufbau eines Druckereibetriebs in der Nachkriegszeit, von ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Theorie, Seite 36
von Nikolaus Müller-Schöll
Nachrichten aus der Blackbox einer traurigen Jugend können mit sagenhafter Kraft nach draußen dringen: «It’s better to burn out / than to fade away.» Dieses Neil-Young-Zitat hatte Kurt Cobain bei seinem Freitod 1994 allen jugendlichen Melancholikern ins Herz geschrieben. «Besser verbrennen als verblassen.» Sie können aber auch etwas leiser wehen: «DAS HIER IST...
Naz muss sich von Indien nach London durchschlagen und findet als moderner Sindbad Trost und wohl auch Ermutigung bei dessen Geschichten. Er ist «Der Junge mit dem Koffer», in Mike Kennys Stück ein Entwurzelter schon in jungen Jahren. Die Produktion des Schnawwl Mannheim ist nicht nur Beleg dafür, dass sich auch im Kindertheater der Blick in die Welt weiten kann,...
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es gibt vieles, was uns unterscheidet. Du bist Mitte der fünfziger Jahre geboren und ich gegen Ende der siebziger Jahre. Du bist eine Frau, ich bin ein Mann. Du bist Politikerin und ich Schriftsteller. Aber es gibt manches, was uns verbindet. Wir haben beide internationale Wirtschaftswissenschaften studiert (ohne Abschluss), wir haben ungefähr...
