Weimar: Wunderbare Therapeuten
Pisto ist ein Freund der klaren Ansagen. Vielleicht, empfiehlt er seinem Kumpel Hupka warmherzig, «gibt’s Leute, die sollten sich ein Schild um den Hals hängen: ‹Verlierer›. Alles, was ich anpacke, wird Schrott.» Unrecht hat Pisto (Nahuel Häflinger) natürlich nicht: Die Differenz zwischen Sein und Bewusstsein ist bei Hupka tatsächlich ganz besonders imposant.
Denn während sich der jeanslatzbehoste Gelegenheitsjobber in der Darstellung von Bastian Heidenreich mit redlicher Rehaugennaivität eine gesamteuropäische Fernfahrerkarriere zurechtillusioniert, ist er de facto gerade mit seiner Karre auf dem Weg zwischen zwei Provinz-Zeitjobs liegengeblieben. Und sobald Hupka von «Anita, meinem Herzgalopp» schwadroniert, muss Kumpel Pisto ihn daran erinnern, dass der «Herzgalopp» ihn schon seit geraumer Zeit «nicht mehr mit dem Arsch ankuckt» und zur Untermalung dieser Tatsache unlängst sogar die Scheidung eingereicht hat.
Mag sein, dass es sich bei Hupka um einen ganz besonders hartnäckigen Fall von Überlebensromantizismus handelt. Aber «Luft nach oben», wie das Auftragswerk von Dirk Laucke fürs Weimarer Nationaltheater heißt, gibt’s hier zweifellos für den ganzen Cast. Luis Maresch (Bernd ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2016
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Christine Wahl
Don’t talk, act!», fordert eine junge Künstlerin die Herren der Theaterleitung des Soweto Theatre auf, die wie viele andere in die Jahre gekommenen Befreiungskämpfer eine eher durch Korruption denn durch politische Erfolge glänzende Elite Südafrikas repräsentieren. In dem erst vor vier Jahren eröffneten Theater mitten in den South Western Townships von Johannesburg...
Drei Nachkriegs-Helden der an Sonderlingen reichen deutschen Literatur sitzen hinter Gittern, heil- und pflegebedürftig und schwer erziehbar. Kriminelle, ästhetische Existenzen. Künstlernaturen. Sie heißen, in der zeitlichen Reihe ihres Auftretens: Felix Krull, Oskar Matzerath und Siggi Jepsen. Am schwersten von ihnen hat es nicht der humoristisch polyglotte...
Am 3. Februar 2016 verschickte das Pressebüro der Berliner Festspiele folgende Mitteilung: «Die sieben Kritikerinnen und Kritiker der Jury des 53. Theatertreffens sichteten und diskutierten in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 394 Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach langer Diskussion kamen sie überein, in diesem Jahr keine Auswahl...
