Der kommende Schrott
Im deutschen Wald riecht es würzig. Fledermäuse schießen durch die Sommerabendluft, und der aufgehende Vollmond gießt milchiges Licht über die grasbewachsenen Militärflugzeughangars, deren Pforten so aussehen, als fange dahinter die Unterwelt an. Doch der schwarzromantische Schein der Idylle trügt. Im Wald von Neuhardenberg ist die Kunst ausgebrochen.
Ein Muezzin ruft, Schweine brüllen durchdringend in Todesangst.
In den Schuppen und Scheunen am Rande des ehemaligen NVA-Flughafens wird zu Wagnerklängen der Gral bewacht und ein Fisch-Hase verehrt, die Mondlandung gedreht und Demokratie zerstört, ein Huhn nach Afrika verschickt und ein Hitler-Stalin-Pornogezeigt. Christuskreuze und Wohnzimmerlampen markieren den Wegesrand, ein angeknackstes Adorno-Tape definiert vom Lagerhochsitz herab den Kapitalismus, Adriano Celentano plärrt gegenüber «Azzuro», und selbst der «Führer» (Horst Gelonneck) irrt durchs kunsthungrige Publikum von «Odins Parsipark». Nachdem in den vergangenen Jahren der Schauspieler Martin Wuttke für die Stiftung Neuhardenberg mit gehobenem Sommertheater die Berliner Saison eingeleitet hat, lud dieses Jahr Christoph Schlingensief in den Voodoozauberzoo seiner «modernen ...
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Der junge wilde Dichter in der ersten Reihe macht einen ausgesprochen adretten Eindruck. Er ist gekämmt und rasiert, er trägt Anzug und sogar Krawatte. Im Grazer Schauspielhaus haben sie gerade sein Stück «Magic Afternoon» gespielt, das Fernsehen ist da, und der joviale Moderator will vom jungen Autor jetzt wissen, was denn der Titel zu bedeuten habe. Dumme Frage,...
Wenn im Juli und August die Temperaturen in für englische Verhältnisse abenteuerliche Höhen steigen, gönnen sich viele erschöpfte Theatermacher die wohlverdiente Sommerpause. Für Kneehigh Theatre aus Cornwall beginnt dann gerade eine seiner intensivsten Arbeitsphasen. Denn zu welcher Zeit stünden die Chancen günstiger, dem englischen Regen zu entkommen, wenn man...
Am Gipfel blendet ein Licht, nicht unbedingt das Licht der Aufklärung, vielleicht sogar ein Irrlicht und flackernder Augentrug. Die seit diesem Jahr von Jürgen Flimm geleitete RuhrTriennale beleuchtet das Doppelgesicht der Romantik: Ratio und Irrationalität, industrieller Fortschritt und Sehnsucht nach dem Vergangenen, Settembrinis Zukunftseuphorie und Naphtas...
