«Das ist kein Theater. Das ist viel besser!»
Wenn diese Zeilen erscheinen, sind sie hoffentlich schon veraltet. Wenn alles gutgeht, ist Mubarak dann abgetreten und meine ägyptischen Freunde sind wieder im Probenraum oder bereiten sich auf das nächste Gastspiel von «Radio Muezzin» – vor. Wenn alles falsch läuft, sitzen sie im Gefängnis oder sind tot, wie einige ihrer Freunde, und «Radio Muezzin» ist wieder verboten.
Zurzeit stehen meine Freunde täglich auf dem Tahrir Square, der jeden Abend in der Tagesschau gezeigt wird.
«Der Platz», wie sie ihn jetzt nur noch nennen, liegt keine 100 Meter weg vom Goethe Institut. Dort haben wir zusammen im Herbst 2008 mit vier Muezzinen und einem Radioingenieur Theater geprobt: Muezzine davon überzeugt, auf der Bühne nicht nur vom Koran, sondern auch von sich selber zu sprechen; zu erwähnen, dass die Stadt nicht unter Minaretten sondern einem Verkehrschaos leidet; oder durchblicken zu lassen, dass sie nicht mit allen Entscheidungen der zentralisierenden Staatsmacht einverstanden sind.
Wenn ich den Tahrir Square jetzt auf CNN sehe, ist er nicht wiederzuerkennen. Damals konnte ich ihn kaum überqueren, weil die Autos in einer seltsamen Form von Kontaktimprovisation Türe an Türe drüber fuhren. ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Stefan Kaegi
THDie letzte «Faust»-Preisverleihung hat ziemlichen Wirbel ausgelöst. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Veranstaltung vorzeitig verlassen, es gab Offene Briefe, ein Interview in «Theater heute» und jede Menge Empörung auf beiden Seiten. Was für Schlüsse haben Sie aus dieser Debatte gezogen?
Klaus ZeheleinWir denken nach jeder «Faust»-Verleihung nach,...
Blizzard-Maschinen blasen Stefan Hunstein auf die Bühne der Münchner Kammerspiele. Kaum lässt sich die Türe halten, mühselig schleppt er seinen schneeverkrusteten Rucksack auf die hölzernen Planken, die Johan Simons weit in den Zuschauerraum ragen lässt. Ein scheinbar schlafender Pianist am plastikverhüllten Kneipenklavier erwartet ihn. Sonst nichts. Der...
Ausgerechnet der größte Mythos ist die größte Absicherung. Bei Goethe hieß es so: «In Bergesadern, Mauersgründen / ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden ... Das alles liegt im Boden still begraben / Der Boden ist des Kaisers, der soll’s haben.» So führt Mephisto in «Faust II» das Papiergeld ein – als schiere Option auf einen eventuell irgendwann erfolgenden...
