An der Wertewerkbank
Das Wiener Burgtheater hat sich in zwei Großproduktionen gestürzt, riesige Textberge riefen zu ihrer Besteigung auf. Bergauf hätte es gehen sollen mit großen Debatten im Gepäck: über Väter & Söhne, Gott & Teufel, Vatermord & Vater Krieg. Aber dann sah man, schon am Fuß der Textbergriesen scheiternd, nichts als Flachlandtiroler in Nicolas Stemanns Dramatisierung von Dostojewskijs Roman «Die Brüder Karamasow» und Thomas Langhoffs Inszenierung von Schillers «Wallenstein». Am Ende: der Rezensent vorzeitig auf der Flucht. Alles in allem ein ziemliches Drama, aber leider kein Ereignis.
Nicolas Stemanns Dostojewskij: Tod eines Altrockers
Gleich zu Beginn von Stemanns Dostojewskij-Abend erhebt sich ein Herr um die 60 (Hans Dieter Knebel) in der ersten Reihe des Wiener Akademietheaters, um stolz zu bekennen: «Also, ich war schon ’71 in Paris dabei. Ich kann der neuen Generation nicht folgen.» Ein Veteran von 1871, ein Alt-71er, also Pariser Kommune, ein Urahn sozialer Emanzipation, kann einer Jugend nicht folgen, die bei Dostojewskij ein neues religiöses Wertebewusstsein sucht.
Stemann spielt auf die Alt-68er an und rückt damit auch die neue Generation von damals in die Nähe heutiger ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Zeitspanne vom Erscheinen eines Romans bis zu seiner Adaption für die Bühne schrumpft immer mehr. Bei «Schilf», dem Krimidebüt der gefeierten Jungjuristin und Erfolgsautorin Juli Zeh – einem Buch, das neben einem mörderischen akustischen Missverständnis und einem moribunden Kommissar auch noch mit verzwickten physikalisch-philosophischen Debatten über das Wesen...
«Hörspiel ist die glücklichste Form», sagt Werner Fritsch an diesem Samstagvormittag.
Noch ohne zu wissen, dass er am Abend im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) den ARD Hörspielpreis für seine Produktion «Enigma Emmy Göring» erhalten wird, was dank der damit verbundenen Ausstrahlung in allen neun ARD-Landesanstalten laut SWR-Intendant Peter...
Theater heuteWir wollen uns mit der Frage beschäftigen, ob und wie man tatsächlich «Theater gegen Rechts» machen kann. So nennt sich eine Aktion der Theater in Sachsen-Anhalt. Sie, Stefan Schnabel, haben als Dramaturg von Volker Löschs Dresdner «Woyzeck»-Inszenierung im Begleitbuch geschrieben, der Dresdner Bürgerchor solle «einen Bericht zur Lage der Nation...
