Jenseits von Gut und Böse
In «Jenseits von Gut und Böse», dem «Vorspiel einer Philosophie der Zukunft», zog sich Friedrich Nietzsche auf das «Perspektivische, die Grundbedingung allen Lebens» zurück. Von dort aus betrachtet, gibt es keine moralischen Phänomene, sondern nur moralische Ausdeutungen von Phänomenen – und die sind historisch, dogmatisch, ein Herrschaftsinstrument über die Massen.
Der Berliner Theaterdiscounter hatte elf Kollektive gebeten, einen zeitgenössischen Standpunkt zum Motto «Jenseits von Gut und Böse» einzunehmen; eigentlich nahe liegend, da das «Perspektivische» auch Grundbedingung allen Theaters ist. Allerdings schränkt die Einstimmigkeit des Monologs diesen Spielraum erheblich ein. Doch bereits wenige Stunden vor der Festivaleröffnung hatten sich die Perspektiven ohnehin verengt. Das Nationaltheater Weimar hatte sich gerade von Milo Raus Inszenierung «Breiviks Erklärung» distanziert, die in Weimar einmalig uraufgeführt und später auch beim Monologfestival gezeigt werden würde. Darf Theater dem 77-fachen Massenmörder eine Bühne geben? Diese Frage hatte schon die Feuilletons heißlaufen lassen – Nietzsche hin oder her.
Das Eröffnungs-Statement «Out of the dark into the night ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 64
von Anja Quickert
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