Am eigenen Abgrund
Am Schluss von «Dämonen 2014» explodiert noch einmal das Bürogebäude des Ministerpräsidenten im norwegischen Regierungsviertel – jenes Haus, das bei Anders Behring Breiviks Terroranschlag 2011 vollständig zerstört wurde und nur wenige Minuten Fußweg vom Nationalteatret entfernt ist. Die Inszenierung, die im Februar 2014 Premiere hatte, war die erste Produktion auf der großen Bühne eines Staatstheaters, die die Terrorangriffe vom 22. Juli 2011 thematisierte – auch wenn die Bombenexplosion der einzige direkte Verweis war.
«Dämonen 2014» ist keine Inszenierung über Anders B.
Breivik, sondern fragt, was der 22. Juli mit der norwegischen Gesellschaft gemacht hat: Wo stehen wir heute? Nach den Massakern auf der Insel Utøya sagte der damalige Staatsminister Jens Stoltenberg, dass die norwegische Antwort auf das Verbrechen «mehr Demokratie» laute. Nur ein Jahr später schrieb Cathrine Sandnes, die Redakteurin der Zeitschrift «Samtiden»: «Breiviks Terror hat die Auffassung vom Extremen verändert: Handlungen sind extrem. Worte nicht. Unterscheidungsmerkmal ist nicht mehr, wer was meint, sondern welche Mittel man bereit ist anzuwenden.»
Auf der Suche nach dem «inneren Faschisten»
Leserkomment ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Therese Bjorneboe
Am Anfang stand ein besonderer Fall von investigativem Journalismus. Jacob Applebaum, der NSA-Rechercheur und Snowden-Vertraute, sollte in seiner «Theater der Welt»- Eröffnungsrede über zwei Aspekte von Aufklärung sprechen – Lessings Traum und den Alptraum der Spionage –, redete aber lieber aus aktuellem Anlass in eigener Sache. Denn der gerade frisch gekürte...
Irgendwann spannt und ziept das Kleid doch so arg, dass es sich nicht mehr ignorieren lässt: Die Frau ist schwanger und weiß nicht, warum. Inmitten von Kriegswirren ist sie in andere Umstände gekommen und wird von ihrer Familie verstoßen – zumindest, bis die mysteriöse Vaterschaft geklärt ist. Heinrich von Kleist hat daraus seine gesellschaftskritische Novelle «Die...
Es ist nicht ganz einfach, ernst zu nehmende Kollegen bei der Verwechslung von Schauspielern mit ihren Bühnen-Figuren zu ertappen. Ein Theaterkritiker, der einen Mephisto-Darsteller ohne Ironiesignale fragen würde, ob er auch im Privatleben Blut als ganz besonderen Saft abfeiert, hätte sich professionell sofort erledigt. Erzählt man allerdings im Kollegenkreis,...
