Brennpunkt Rostock: Kunst oder Abriss?
Um kernige Worte war Sewan Latchinian in den letzten Wochen nicht verlegen, wenn er auf die Theaterpolitik im Land Mecklenburg-Vorpommern und in der Hansestadt Rostock zu sprechen kam. «Unsinnig und asozial» nannte der Intendant in einer Ansprache vor der jüngsten «Mahagonny»-Premiere den Bürgerschaftsentscheid, das von ihm geführte Volkstheater um zwei Sparten zu verkleinern. Auf einer Protestveranstaltung in Neustrelitz Anfang März verglich er die Schweriner Beschlüsse zu Theaterfusionen im ganzen Land mit den Kulturerbe-Zertrümmerungen der Terrormiliz Islamischer Staat.
Eine krasse Analogie, keine Frage. Aber die Rostocker Stadtregierung hat es noch immer verstanden, ihre Künstler an Krassheit zu überbieten. Und also beließ es ein eilig einberufener Hauptausschuss der Bürgerschaft nicht bei einer Abmahnung, sondern setzte den erst zu dieser Saison berufenen Intendanten Anfang April kurzerhand vor die Tür. Es wäre die sechste vorzeitige Entlassung eines Rostocker Theaterleiters seit 1989. Aber wie so oft in der Hansestadt färbt auch hier der Konjunktiv das Geschehen. Denn keine zwei Wochen später hat die Bürgerschaft den Gremiumsbeschluss kassiert und alle Beteiligten in die ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christian Rakow
André Bücker neigt weder als Regisseur noch als Noch-Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau zu übertriebener Raffinesse und subtilen Zwischentönen. Als im vergangenen Jahr der Konflikt mit dem Land Sachsen-Anhalt, das seine Theaterzuwendungen unter dem machtbewussten Kultusminister Stephan Dorgerloh systematisch reduziert, eskalierte, antwortete Bücker mit...
Es ist nur ein Katzensprung vom Wiener Burgtheater am prachtvollen Universitätsring zur nicht weniger prachtvollen Votivkirche am Rooseveltplatz, die im Dezember 2012 von einer Gruppe von Asylbewerbern besetzt wurde. Von hier aus führten sie ihren Kampf um Anerkennung und gegen Abschiebung – ein größtenteils erfolgloser Kampf. Elfriede Jelinek nahm das «Refugee...
Nein, dieser Weg ist nicht das Ziel. Eher das Gegenteil, ein zugiger Durchgangsort, an dem jeder, der hier gestrandet ist, so schnell wie möglich weiter will. Man kann das als handfeste Gesellschaftskritik zum Thema Flüchtlingspolitik verstehen oder auch eher poetisch-prinzipiell. «Camino Real», so der Titel von Tennessee Williams’ surrealer Szenenfolge, ist der...
