Süßer Sieg der Oberfläche
Im Programmheft ein Motto des Shakespeare-Experten Stephen Greenblatt: «Die Welt der Renaissance war eine Welt der Konventionen, die lediglich überdeckten, dass unter den Schichten der theatralischen Gebärden, konventionellen Reden und prächtigen Kleidung absolut Nichts verborgen lag.» Das Nichts, großgeschrieben, mutet existenziell an: Wie brüchig sind diese Komödienwunderwelten. Wie leicht kann das Ränkespiel der ewig intriganten Bösewichter einen Leumund beschmutzen, blickt ein Sonntagskinderpaar, Hero und Claudio, in die Bodenlosigkeit des höfischen Daseins. Das Nichts nichtet.
Einerseits.
Man darf das Wort aber auch ganz unaufgeregt nehmen: Nichts, rien, liegt jenseits der glitzernden Komödienoberfläche; das Gepose und Getue genügt sich selbst. Junge Liebe feiert sich im Stimmungsüberschwang; verstummen dürfen die Gesettleten und Geehelichten. Hier, gewissermaßen bei der Pop-Lesart, setzt Anna Bergmanns opulentes «Viel Lärm um nichts» an. Es ist die Jubiläumsinszenierung zum 175. Geburtstag des Oldenburger Staatstheaters. Und mit Bergmann (Jahrgang 1978), die der neuen Intendanz mit dem Jugendstück «Crash» einen der Höhepunkte ihrer ersten Saison bescherte (TH 05/07), geht ...
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Theater heute Signa Soerensen und Arthur Koestler, Sie sind beim diesjährigen Theatertreffen sicher mit dem ungewöhnlichsten Projekt vertreten. «Die Erscheinungen der Martha Rubin» sind eine Performance-Installation, in der Sie, ursprünglich für die Kölner Halle Kalk, eine eigene Welt erschaffen haben: Rubytown, ein Dorf im Niemandsland, bevölkert von dreißig...
Welch herrlicher Zeitgeist-Quark aber auch! Reden wir nicht lang rum: Peter Steins enthemmte Schiller-Liebedienerei am «Wallenstein» war für mich die schlimmste Theatertortur seit langem; ein monströser, maßloser Theaterschreckensstreich von (die Pausen mitgerechnet) zehnstündiger Dauer. Der Großschauspieler und Titelrollenausfüller Klaus Maria Brandauer trumpfte...
Ich wiederhole mich nur ungern, aber mir fehlt in der Auswahl des Theatertreffens auch in diesem Jahr eine Peter-Handke-Inszenierung von Friederike Heller. 2007 war die Wiederentdeckung der alten Kapitalismuskomödie «Die Unvernünftigen sterben aus» übergangen worden, jetzt hat man eine Inszenierung von Handkes jüngstem Drama «Spuren der Verirrten» ignoriert, die...
